Flugkraft Krebs Fotoprojekt Alina
6. Juli 2018

Wir rocken den Krebs

Fotoprojekt Flugkraft schenkt Krebspatienten Mut

Dem Krebs den Kampf ansagen - das können Mädchen und Jungen auf den Fotos des Projekts „Flugkraft“. Die berührenden und schönen Aufnahmen von Marina Proksch-Park aus dem Landkreis Cloppenburg sind Erinnerung und Mutmacher zugleich.

Alles auf einen Blick

Rhauderfehn

Flugkraft
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26817 Rhauderfehn

Tel: 04952/8972586
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montags, mittwochs,freitags
9:00 Uhr - 11:30 Uhr

Krebs als ein Abschnitt des Lebens

Freundschaft ist viel wert. Das findet auch Marina Proksch-Park. Als vor fünf Jahren die Tochter einer guten Freundin an Krebs erkrankte, erklärte sie sich sofort bereit, Fotos von dem Mädchen und der gesamten Familie zu machen. Erst zwei Jahre war die kleine Leefke damals alt, als sie ganz überraschend an Nierenkrebs erkrankte und damit das gesamte Leben ihrer Familie umkrempelte. Zu unbeschwertem Spielen und schönen Zukunftsbildern gesellten sich Sorgen, die Organisation von Terminen, und der massive operative und medikamentöse Eingriff in das Leben eines Kindes, das noch gar nicht so lange auf der Welt war. Heute gilt Leefke als geheilt, aber die Bilder von damals zu Zeiten von Erkrankung, Chemotherapie und Arztbesuchen beschreiben einen wichtigen Abschnitt ihres Lebens – und sollen daher nicht vergessen werden
Flugkraft Krebs Fotoprojekt Tamara

Kinder sagen Krebs den Kampf an

Nach dem Erlebnis mit der kleinen Leefke war für Marina Proksch-Park klar, dass sie auch anderen Menschen auf diese Weise helfen möchte. Die Hobbyfotografin gründete in Strücklingen (Kreis Cloppenburg) die Non-Profit-Organisation „Flugkraft“ und stand von da an auf Wunsch bei betroffenen Familien mit der Kamera vor der Tür. „Es ist immer eine sehr spontane Sache, da dieser Termin auch immer stark von der Tagesform des kranken Kindes abhängt“, so die 39-Jährige, die mittlerweile selbst Mutter ist. Oft fährt sie mehrmals dorthin, auch weil der Kontakt zur Familie durch die Fotosession sehr intensiv geworden ist. So entstehen ausdrucksstarke Bilder, auf denen die Kinder dem Krebs den Kampf ansagen, die Fäuste ballen, als unverwundbarer Batman posieren, frech die Zunge herausstrecken oder einfach das machen, was Kinder so tun: auf dem Trampolin springen, die Welt um sich herum entdecken und mit Eltern und Geschwistern kuscheln, lachen oder auch mal ganz ernst sein.
Flugkraft Marina Proksch Park Krebs Fotoprojekt Kamera
Flugkraft-Initiatorin Marina Proksch-Park hat über 200 Familien fotografiert.
Insbesondere über Facebook und Flyer auf den Kinderkrebsstationen wurden viele Jugendliche auf das Projekt aufmerksam und meldeten sich bei Marina Proksch-Park. „Einen richtigen Plan gab es gar nicht, ich bin da allmählich immer stärker reingerutscht“, erzählt sie. Nicht immer finden die Aufnahmen zu Hause oder an anderen Lieblingsorten des Kindes statt; manchmal trifft man sich auch im Hospiz.
Fotoprojekt Flugkraft unterstützen
Flugkraft ist eine Non-Profit-Organisation, die mittlerweile von mehr als hundert ehrenamtlichen Helfern unterstützt wird. Jede Spende hilft!
Flugkraft Krebs Fotoprojekt Fiene
Flugkraft Krebs Fotoprojekt Alina
Mit der Zeit stellte die Fotografin fest, dass oftmals noch ganz andere Unterstützung benötigt wird. „Wenn man so sehr mit seinem Kind beschäftigt ist, von einem Arzt zum anderen geschickt wird und dann noch nebenbei Geld für den Lebensunterhalt verdienen muss, bleiben oft andere Dinge liegen, wie das Rasenmähen. Gar nicht selten stehen die Familien alleine da, auch weil andere Menschen Berührungsängste haben.“
Nicht selten stehen Familien alleine da. Auch weil andere Menschen Berührungsängste haben. – Marina Proksch-Park –
Um all dies und noch vieles mehr zu realisieren, wird die Gründerin inzwischen von mehr als hundert ehrenamtlichen Helfern unterstützt. Sie helfen spontan in Familien aus und machen das Projekt mithilfe von Infoständen, Ausstellungen oder Filmen auf Youtube bekannt. Der Flugkraft-Shop verkauft markante Armbänder in Schwarz-Weiß, Cappies und T-Shirts. Der Erlös kommt dem Projekt zugute, ansonsten finanziert es sich ausschließlich durch Spenden. „Manchmal unterstützen wir Familien auch finanziell oder aber unternehmen etwas mit Geschwisterkindern. Sie sind es oft, die in dieser schweren Zeit zu kurz kommen.“
Flugkraft Fotoprojekt Kinder Seifenblasen

Fienes Geschichte

Fiene ist fünf Jahre alt und bekam die harte Diagnose Knochenkrebs. Nach vielen Chemotherapien wurde sie am Oberschenkel operiert und bekam eine Knochenprothese: Stehen und Laufen musste sie wieder ganz neu erlernen. Nachdem die Fotografin ihre Tasche mit „Schnickschnack“ auf den Fußboden gekippt hatte, war Fiene Feuer und Flamme. Das Shooting fand natürlich im Sitzen statt, was überhaupt kein Problem war. „Fiene als Pferdeliebhaberin war es sehr wichtig, dass ich ihr rosa Plüschpferd mit fotografiere.“ Lange spielten alle zusammen Pustefix, darunter auch die kleine Schwester.

Alinas Geschichte

Gleich zweimal hat Alina gegen den Krebs gekämpft, dennoch ist die an Leukämie erkrankte Elfjährige ein absolut positiver Mensch. „Sie musste so viel durchmachen, beeindruckend wie kraftvoll die kleine Maus ist. Alina hat sich für das Shooting viele Gedanken gemacht, obwohl es ihr nicht ganz so gut ging, wollte sie alles ausprobieren – mit verschiedenen Outfits“, so Marina Proksch-Park. Durch die Folgen der Therapie musste sie einige Zeit im Rollstuhl sitzen, dafür konnte ihr Flugkraft ein Therapiegerät zur Verfügung stellen, das ihr sehr geholfen hat, aber die Krankenkasse nicht übernommen hatte.
Flugkraft Fotoprojekt Krebs Alina Familie Hängematte
Flugkraft Fotoprojekt Krebs Kinder Strohballen

Tamaras Geschichte

Die Eltern von Tammi haben sechs Kinder. Die beiden Ältesten wohnen woanders und leiden aus der Ferne mit. Die anderen vier waren beim Shooting dabei. „Es war schön zu beobachten, wie die Geschwister miteinander umgehen. So liebevoll und sehr aufmerksam“, erzählt Proksch-Park. Tammis Krebserkrankung wurde zufällig entdeckt, wobei das kleine Mädchen alles sehr tapfer aufgenommen hat. Die Mama sagt: Es ist nicht leicht, wenn einen das eigene Kind fragt, ob es jetzt so sterben müsse wie der Opa? Nachdem ihr Bein entfernt werden musste, hat sie eine Prothese erhalten.
Credits

Text: Melanie Jülisch
Fotos: Flugkraft

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