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1. März 2019

Vom Wendland zum Weltfußball

Große Fußballwelt und kleines Dorf im Wendland – passt das zusammen? Für Fußball-Nationaltorhüterin Almuth Schult schon. Sie ist regelmäßig zuhause in Lomitz und hilft auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie mit.

Alles auf einen Blick

Lomitz

Landkreis: Lüchow-Dannenberg

Aus der Kreisklasse in die Frauen-Bundesliga

Lomitz ist immer noch der erste Wohnsitz von Almuth Schult. In dem kleinen Dorf im Landkreis Lüchow-Dannenberg ist die Fußball-Nationaltorhüterin und Olympiasiegerin mit ihren drei älteren Geschwistern auf dem landwirtschaftlichen Betrieb ihrer Eltern aufgewachsen. Den hat mittlerweile ihre Schwester Annika übernommen, zusammen mit ihrem Mann Frank Schneevoigt.

Almuth Schult dagegen zog mit 16 Jahren von zuhause aus, als sie ein Angebot vom HSV bekam. „Es war eine Chance: aus der Kreisklasse in den Kader der ersten Frauen-Bundesliga. Ich wollte auch zeigen, dass ich das kann“, sagt die Fußballerin. Dabei sei ihr die Trennung von ihrer Familie nicht leichtgefallen. „Denn ich bin ein Familienmensch“, betont die heute 27-Jährige.

Fußballerin Almuth Schult mit ihrer Familie
Vor der neuen Milchtankstelle: Almuth Schult mit Schwager Frank Schneevoigt (l.) und Vater Carsten Schult auf dem Betrieb in Lomitz. Wenn es passt, packt die Torhüterin noch gerne mit an.

In Hamburg bekam Almuth nicht so richtig Anschluss, da sie jünger war als die meisten ihrer Mitspielerinnen. Auch der Sprung in die Stammmannschaft gelang ihr nicht. Bereut hat sie ihre Entscheidung trotzdem nicht: „Es hat nicht geklappt, das erdet einen. Es war ein sehr lehrreiches Jahr, damit man weiß, was man kann und was man will.“

Und Almuth Schult wollte Fußball spielen. Darum wechselte sie zum Regionalligisten Magdeburger FFC, wo sie Stammspielerin wurde – und wieder Spaß am Fußball fand. An einem Magdeburger Gymnasium machte sie ihr Abi-tur. 2011 ging sie zu dem relativ kleinen Bundesligisten SC 07 Bad Neuenahr und begann ein Studium an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Zurück nach Niedersachsen kam die Sportlerin 2013, als sie zum VfL Wolfsburg wechselte.

Fußballerin Almuth Schult mit Goldmedaille
Stolz präsentiert Almuth Schult ihre Goldmedaille von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro.

Karriere beim VfL Wolfsburg

Seitdem hat Almuth Schult mit ihrem Verein unter anderem die Champions League und dreimal die Deutsche Meisterschaft gewonnen. 2014 wurde sie als Welttorhüterin ausgezeichnet und 2016 gewann die Lomitzerin mit der Deutschen Nationalmannschaft olympisches Gold in Rio de Janeiro. „Ein unheimlich tolles Erlebnis“, wie sie sagt.

Der VfL Wolfsburg bietet ihr noch einen weiteren großen Vorteil: Die Autostadt ist nur etwa eine Autostunde von Lomitz entfernt: „Jetzt habe ich den Luxus, meinen Fußball mit meiner Familie vereinbaren zu können“, sagt Almuth Schult, deren Partner ebenfalls im Wendland lebt. Wenn sie zuhause ist, hilft sie gern auf dem Hof mit. „Damit bin ich aufgewachsen, wir haben bei allem geholfen“, erzählt sie. Das habe sie auf ihre frühe Selbstständigkeit vorbereitet. Ihren Eltern und Großeltern ist sie dankbar: „Sie haben mich zu jedem Auswahltraining gefahren. Ohne sie wäre der Weg wohl mit 14 Jahren zu Ende gewesen“, glaubt die 27-Jährige.

Auch ihre drei Geschwister hätten ihren Sport mitgetragen, erzählt die Torhüterin. Mit ihrem älteren Bruder hat sie angefangen, beim FC SG Gartow Fußball zu spielen. Ursprünglich war sie in der Abwehr, doch als der Torhüter wegzog, mussten sich die anderen Spieler im Tor abwechseln. „Ich war die Beste, also blieb es dabei.“

Fußball

Für immer Wendland

Gut war Schult auch im Schießen: als Mitglied des Lomitzer Schützenvereins qualifizierte sie sich für die Jugend-Landesmeisterschaften. Am Ende machte jedoch der Fußball das Rennen. „Fußball hat viele Komponenten, die nicht planbar sind, das macht ihn spannend. Man braucht Teamgeist, damit es funktioniert.“ Darauf habe sie ihr Leben mit den drei Geschwistern gut vorbereitet: „Man hat gelernt, ein Miteinander zu haben“, sagt Almuth Schult.

Das ist bis heute so geblieben. „Unsere Familie hat einen sehr großen Zusammenhalt. Zu Weihnachten kommen wir alle zusammen, darauf freue ich mich immer sehr.“ Almuth Schults Vertrag beim VfL läuft bis 2022. Und dann? „Ich habe mit meinem Lebenslauf gelernt, dass man nicht planen sollte. Man muss versuchen, sein Leben so zu gestalten, dass man mit Familie und Freunden zusammen sein kann“, sagt die 27-Jährige. Doch in einem Punkt ist sie sich sicher: „Ich will auf jeden Fall Kinder haben und ich möchte, dass die im Wendland aufwachsen.“

Credits

Text: Petra Witte

Fotos: Petra Witte, AdobeStock

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