Welfengruft-Wolfenbuettel-Hauptkirche-Altar-Benstem
12. März 2019

Echt unterirdisch: Welfengruft Wolfenbüttel

Im ersten Teil unserer Serie "echt unterirdisch" wird es heute gruselig! Denn unter der Hauptkirche in Wolfenbüttel ruhen die Welfenfürsten und ihre Angehörigen in aufwändig verzierten Sarkophagen. Wir haben die Welfengruft in Wolfenbüttel besucht.

Alles auf einen Blick

Welfengruft Wolfenbüttel

Kornmarkt

38300 Wolfenbüttel

Telefon 05331/2892

Welfengruft Wolfenbüttel
In der unterirdischen Welfengruft in Wolfenbüttel stehen üppig verzierte Sarkophage, einige aus Stein, die meisten aus Zink.

Die Gräber der Welfen

Steinerne Treppenstufen führen hinab, Schritt für Schritt schwindet das Licht. Unten bläst eisiger Winterwind aus einem Loch in der Wand: „Die Gruft muss gut belüftet werden“, erklärt Gerhard Finck, der Küster der Wolfenbütteler Hauptkirche Beatae Mariae Virginis.

In der unterirdischen Welfengruft stehen zum Teil üppig verzierte Sarkophage, einige aus Stein, die meisten aus Zink. Es ist eine ganz eigene Welt hier unten, und ein starker Kontrast zur Hauptkirche oben drüber: Der erste bedeutende protestantische Großkirchenbau der Welt vereint einen harmonischen Stilmix aus gotischen Fenstern, Renaissanceelementen und barocken Giebeln.

Besonders beindruckend ist der opulente Epitaphaltar mit viel Gold, genannt „Prager Altar“. Zur Welfengruft führt rechts vor dem Altarraum eine schwarze Holztür mit goldener, lateinischer Inschrift. Ebenerdig betritt man einen Vorraum. Hier, noch im Tageslicht, stimmt eine kleine Ausstellung zum Welfen-Fürstenhaus auf deren Grablege ein.

Welfengruft Wolfenbüttel
Welfengruft Niedersachsen
Zur Welfengruft führt eine schwarze Holztür mit goldener, lateinischer Inschrift.
Hauptkirche Welfengruft Wolfenbüttel
Unter der Wolfenbütteler Hauptkirche Beatae Mariae Virginis befindet sich die Welfengruft.
Altar
Hauptkirche Welfengruft Wolfenbüttel
Hauptkirche Welfengruft Wolfenbüttel

Kalt und klamm in der Gruft

Und nun stehen wir also eine Etage tiefer im jüngeren herzöglichen Grabgewölbe. Es ist nicht nur kalt hier unten, sondern auch ein wenig klamm. Der Küster macht Licht, indirekt beleuchten jetzt mehrere Lampen die Särge in zwei langen, weiß gekalkten Gängen, die an ihren Enden verbunden sind.

Direkt neben uns stehen in einem Gewölbe drei reich verzierte Sarkophage. Der mittlere von ihnen ruht auf steinernen Löwenfiguren. Die metallenen Särge bewahren die sterblichen Überreste von „Bücherfürst“ Herzog August dem Jüngeren, seiner Frau Sophie Elisabeth und ihrer Schwester. Eben jenes Herzogs, der mit seiner Liebe zu Büchern und emsiger Sammelleidenschaft den Grundstein für die berühmte Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel legte. Die betrachtete man seinerzeit sogar als achtes Weltwunder.

Welfengruft Wolfenbüttel

Mit Samtmantel im Sarg

26 Welfenfürsten und deren Verwandte sowie drei weitere Fürsten sind in der Gruft beigesetzt. Ein Sarg ist besonders groß: „Anton Ulrich und seine geliebte Gattin Elisabeth Juliane liegen in einem breiten Doppelsarg. Der Herzog wollte auch im Tod nicht getrennt von ihr sein“, erzählt Finck.

Der XL-Sarkophag ist kunstvoll und aufwändig verziert – passend zu dem Toten, der darin liegt. Denn der Fürst von Braunschweig-Wolfenbüttel wollte schon zu Lebzeiten beeindrucken. Er soll eine schillernde Persönlichkeit gewesen sein und selbst im Sarg noch seinen Samtmantel und eine blonde Lockenperücke tragen. Sein Vorbild war nämlich Ludwig XIV., und wie der legendäre Sonnenkönig liebte der Welfe es protzig.

Gut 150 Jahre lang bestatteten die Welfen ihre Fürsten und deren Angehörige in der Gruft unter der Hauptkirche. Heinrich Julius war der erste, der hier 1613 noch eher schlicht beigesetzt wurde. 1767 erfolgte letzte Bestattung in Wolfenbüttel, danach ließ sich die Welfenfamilie wieder im benachbarten Braunschweig zu Grabe tragen.

Welfengruft Wolfenbüttel
Das ist der Doppelsarg des Fürsten von Braunschweig-Wolfenbüttel. Selbst im Tod wollte der Herzog nicht von seiner Frau getrennt werden.

Metallsärge wurden instabil

Die im Stil der Spätrenaissance und des Barock mit lateinischen und deutschen Inschriften, Totenköpfen, Engeln und anderen Bildern verzierten Sarkophage bestehen überwiegend aus Zinn. An einem kleinen Kindersarg halten goldene Löwenköpfe Ringe im Maul. Hochwasser und damit verbundene Wassereinbrüche in die Gruft ließen vor allem diese Metallsärge im Laufe der Jahre instabil werden; manchmal fielen dann sogar Knochen durch die gebrochenen Unterseiten auf den Fußboden. Eine grundlegende Restaurierung war mehr als überfällig.

Nach neun Monaten Restaurierung konnte die Welfengruft im Jahr 2015 schließlich wieder geöffnet werden. Seitdem steht sie Besuchern offen, die sie allein oder im Rahmen einer Führung besichtigen können. Doch Moment: Sind die Sarkophage eigentlich allesamt schief gebaut? Oder ist der Fußboden so uneben? Die Särge haben nämlich eine höhere und eine tiefere Seite. Nein, das ist Absicht: „Die Särge sind nach Osten, dem wiederkehrenden Jesus entgegen ausgerichtet und an der Kopfseite tatsächlich höher als an der Fußseite“, erklärt Finck. „Die Neigung steht für die Auferstehungshoffnung.“

Sarg in der Welfengruft in Wolfenbüttel
Das ist ein Kindersarg, der in der Welfengruft in Wolfenbüttel zu finden ist. Auch er ist reich verziert - unter anderem mit goldenen Löwenköpfen.
Wefengruft Wolfenbüttel
Ganz im Stil der Spätrenaissance und des Barock schmücken Engel, Inschriften oder auch Totenköpfe die Sarkophage.
Welfengruft Wolfenbüttel
Infos: Welfengruft Wolfenbüttel

Welfengruft Wolfenbüttel

Kornmarkt

38300 Wolfenbüttel

Telefon: 05331/2892

 

Eintritt:

1 Euro als Spende. Führungen durch die Gruft können auf Anfrage gebucht werden, sie kosten 10 Euro pro Gruppe.

 

Öffnungszeiten:

Dienstag-Samstag: 10 - 12 und 14 - 16 Uhr, sonntags nach dem Gottesdienst geöffnet

Credits

Text: Anke Benstem

Fotos: Anke Benstem // Christian Bierwagen (Stadt Wolfenbüttel)

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