Algenfarm Vechta Schwestern
11. Juli 2018

Was blubbert denn da?

Grüne Häppchen: Die Algenfarm aus Vechta

Cathleen und Caroline Cordes lassen im niedersächsischen Vechta Algen wachsen, die als echtes Superfood gelten. Als Algenöl und Algenperlen sind sie der Hit in der heimischen Küche. Probiert mal!

Alles auf einen Blick

Vechta

Lüttge - ein Produkt der Evergreen-Food GmbH
Oldenburger Straße 330
49377 Vechta

Algenfarm Vechta Schwestern

Die Schwestern Cathleen und Caroline Cordes in einem der Algen-Gewächshäuser. In transparenten Schläuchen wachsen die Algen.

Algen aus dem Schlauch

Fröhlich blubbert das grüne Wasser in dicken Folienschläuchen vor sich hin. Es ist unglaublich hell in dem Gewächshaus mit den von der Decke hängenden, grasgrünen Schläuchen. Wer das komplett verglaste Gebäude zum ersten Mal betritt, mag sich fühlen wie in einem Science Fiction-Streifen. Was hier wächst, ist jedoch real, auch wenn es mit bloßem Auge nicht zu sehen ist. „Die Produktion von Mikroalgen ist anfangs schwer zu verstehen, da man sie erst nur als kleine Kügelchen unter dem Mikroskop erkennt“, erklärt Cathleen Cordes, die gemeinsam mit ihrer Schwester und ihrem Vater die Algenfarm führt. Cathleen ist studierte Biotechnologin und hatte die Idee, die Mikroalge Chlorella als Lebensmittel groß rauszubringen. Ihr Vater, Gartenbauingenieur Rudolf Cordes, tüftelt neben seinem laufenden Gemüsebaubetrieb schon seit zwanzig Jahren an der Kultivierung der Alge.

Algenfarm Schlauch Algen
Im Gewächshaus hängen grasgrüne Schläuche von der Decke herab. In den Folienschläuchen wachsen und gedeihen die Algen.

System selbst ertüftelt

„Als Kinder standen wir häufig daneben, wenn er sich sonntags angeschaut hat, wie die Algen in den von ihm entwickelten Systemen wachsen“, erinnert sich Cathleen, deren Schwester Caroline den Gemüsebaubetrieb des Vaters irgendwann übernehmen wird. Die 30-jährige Cathleen kümmert sich als Geschäftsführerin ihres Start-Ups Evergreen-Food vor allem um Produktentwicklung, Marketing und Vertrieb. Vor fünf Jahren sind Cordes intensiv in die Produktion und die Vermarktung der Chlorella-Algen eingestiegen. Unter der Marke „Lüttge“ werden sie als Nahrungsergänzungsmittel in Pulver- und Kapselform, aber auch als Lebensmittel verkauft. Von der Entstehung im Labor über die Kultivierung der Alge bis zu Verpackung und Versand findet alles am Standort in Großenkneten im Landkreis Oldenburg statt.

Algenfarm Labor Flaschen Algen Vechta
Ganz schön grün: Die Kultivierung und Vermarktung der Mikroalge „Chlorella“ ist zu einem zusätzlichen Standbein der Familie Cordes aus Vechta geworden. Als gesundes „Superfood“ hat sich die Bio-Alge etabliert.
Algenfarm Petrischale Labor Algen

Konsistenz wie Zahnpasta

Der Inhalt der Folienschläuche ist für den Laien nichts anderes als grün gefärbtes Wasser. „Starterkultur“ nennt Cathleen Cordes die Algen an dieser Station. „Gefüttert“ werden sie mit einer pflanzlichen Nährlösung. „Die gewachsenen Starterkulturen gehen in die Massenproduktion, indem sie in große, flache Becken mit einem Fassungsvermögen von rund 30.000 Litern umgefüllt werden.“ In den Gewächshäusern mit den Becken geht es sehr sauber zu. Ein Apparat mit zwei Armen durchmischt die Algenkultur ständig. Kontinuierlich können die Algen, die eine Konsistenz wie Zahnpasta besitzen, aus den Becken geerntet werden.

 

Algen als Wohltäter für die Umwelt

Die dunkelgrüne Paste mit einem Wasseranteil von etwa 20 Prozent wird getrocknet, zu Pulver vermahlen und zum Teil weiterverarbeitet. „Wir haben mehrere Landwirte, die mit uns zusammenarbeiten. Sie bekommen die Starterkulturen für ihre Becken, ernten die Algen, trocknen sie und bringen sie uns in Form von trockenen Chips zurück“, erklärt Caroline Cordes. Als „Wohltäter für die Umwelt“ bezeichnet Cathleen Cordes ihre Algen stolz, denn sie können den Kohlendioxid-Gehalt um ein Vielfaches reduzieren.
Algenfarm Gewaechshaus Algen Vechta
Hier sind die Algen Zuhause.
Die Chlorella-Alge gilt als echtes Superfood.
Algenfarm Brot Avocado Essen
Essen mal anders: Algenperlen gibt es in den Geschmacksrichtungen „Balsamico“ und „Heidelbeere“.

Modern kochen mit Algen

Die Chlorella-Alge der Familie Cordes wurde europaweit als erste ihrer Art bio-zertifiziert. Weil sie die Inhaltstoffe der Chlorella zu schätzen weiß, wollte Cathleen Cordes sie auch für die gehobene Küche anbieten. Im Internet vermarktet sie deshalb auch Algen-Öl und Algenperlen mit Balsamico- oder Heidelbeergeschmack. Die glänzenden, dunklen Perlen sehen edlem Kaviar zum Verwechseln ähnlich, durch Zugabe von Zi­trus­früchten oder Saft neutralisiert sich ihr Geschmack fast vollständig. In Reformhäusern ist die Chlorella schon lange kein Geheimtipp mehr, sondern gilt als echtes „Superfood“. „Sie besteht zu 60 Prozent aus hochwertigem Eiweiß, enthält alle essentiellen Aminosäuren und ist eine Quelle für pflanzliches Vitamin B12 und Eisen“, beschreibt Cathleen Cordes die Alge, die auch reich an Chlorophyll und Omega-3-Fettsäuren sein soll.

Algenfarm Produkte Algen Oel
Credits

Text: Friederike Husmann
Fotos: Felix Klabe, Algenfarm

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