Schmuck Skateboards Menschen
10. Oktober 2018

Schmucke Stücke aus Skateboards

Kunterbunte Welt

Recyclen ist das Motto von Wiktor aus Wilhelmshaven. Aus alten Skateboards stellt er in liebevoller Handarbeit Schmuck und kleine Kunstwerke her.

Alles auf einen Blick

Victim Brand

Margaretenstrasse 11
26384 Wilhelmshaven
0152/53005927

In rasantem Tempo geht’s über den Asphalt, mit Schwung die Böschung hinab und  manchmal gleitet man auch elegant über eine Bank. Skater wissen, wo und wie sie ihr Hobby genießen können – so auch in Wilhelmshaven, wo Wiktor Stec schon seit elf Jahren mit dem Board unterwegs ist. Strandpromenade, City oder eben Halle – die Skaterszene ist hier an vielen Orten in Bewegung.

Mittendrin Wiktor, der auch auf großen Skatertreffen in Deutschland und im Ausland anzutreffen ist.  „Eine Zeitlang war ich viel unterwegs, auch auf Partys, in der Disco und auf anderen Veranstaltungen. Da habe ich dann in vielen Schmuckläden nach passenden Accessoires für meine Oberbekleidung Ausschau gehalten. Leider ohne Erfolg“, erzählt der heute 25-Jährige, der es eigentlich nur einem Zufall verdankt, dass er selbst es schließlich war, der anfing, die tollsten Schmuckstücke aus Skateboards zu kreieren und zu fertigen.

Wiktor Stec führt unter dem Label Victim Brand Schmuck aus Skateboards.

Das ist Wiktor aus Wilhelmshaven. Er ist nicht nur eingefleischter Skateboard-Fan, unter dem Label Victim Brand fertigt er kleine, bunte Schmuckstücke aus ausgedienten Skateboards.

Vom kaputten Brett zur guten Idee

„Kurz nachdem ich mir in einem Geschäft diverse schöne Dinge aus Holz angesehen hatte, ist mein Board während eines Kunststücks zerbrochen. Zum Vorschein kamen die sieben teils eingefärbten Schichten aus bestem kanadischen Ahorn, und da war dann irgendwie auch gleich der Gedanke an die netten Holzaccessoires da“, erzählt Wiktor. Obwohl der Skateboard-Fan die ausgedienten Boards sammelt, nahm er das kaputte Stück, ging in die Garage seiner Eltern und sah sich nach entsprechendem Werkzeug um. Stichsäge, Feile, Schleifpapier – das musste fürs Grobe erst einmal genügen.

Schmuck aus Skateboards
Schmuck aus alten Skatboards, hier ein Anker-Anhänger.
Diese Handyhülle wurde aus alten Skateboards gemacht.

Accessoires aus Skateboards

Gar nicht so lang dauerte es, bis der erste Anhänger fertig war und Wiktor endlich DAS Accessoire hatte, nach dem er so lange gesucht hatte. Und nicht nur ihm gefiel das gute Stück: „Auch im Freundeskreis waren alle begeistert, und schon bald gab’s die ersten Aufträge. Ende 2014 dann die Anmeldung eines Gewerbes unter dem Namen „Victim Brand“, ein Jahr später Unterstützung für den jungen Gründer und Studenten der Wirtschaftswissenschaften durch das Projekt „Plug & Work“, das durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie den Europäischen Sozialfonds gefördert wird. Dies ermöglichte auch den Umzug in eigene Räumlichkeiten in der Wilhelmshavener Südstadt.
Diese Schmuckkästchen sind aus Skateboards unter dem Label Victim Brand hergestellt worden.

Jedes Stück ein Unikat

Neben diversen Schmuckstücken entwickelte sich das Sortiment stetig weiter. Hinzu kamen dekorative Einrichtungsgegenstände, elegante Handyhüllen und buntes Spielzeug –  jedes Stück ein absolutes Unikat mit Geschichte. Nachschub in punkto kaputte Boards bekommt er von Freunden und Bekannten aus der Skaterszene. „Wir sind da sehr gut vernetzt, nicht nur hier in der Region, sondern in ganz Deutschland. Es gibt hier viele Treffen, außerdem bin ich über mehrere Jahre als Betreuer beim Skateboard Travel-Camp in Paris dabei gewesen.“

Diese Schlüsselanhänger sind aus alten Skateboads in Wilhelmshaven hergestellt worden.
Dieser Fingerring ist aus alten Skateboards hergestellt worden.

Babypopoweiches Designerstück

Mehrere Schritte sind notwendig, bis aus dem zunächst ziemlich rauen Skateboard ein babypopoweiches Designstück entsteht. „Es ist mir wichtig, dass der Kunde ein hochwertiges Handschmeichlerprodukt bekommt“, so Wiktor Stec, der die kreativen Handwerksstücke im Internet, in ausgewählten Geschäften und auf Messen verkauft. Dafür ist zunächst auch viel Wissen notwendig, denn das mit 34 Brinell recht harte Ahornholz lässt sich nur schwer in Form bringen. „Es ist eine sehr umfangreiche Handarbeit, einige Arbeiten werden von anderen Unternehmen übernommen, unter anderem auch von Tischlern und in Behindertenwerkstätten.“

Herstellung der Schmuckstücke aus alten Skateboards
Mein Board ist zerbrochen. Zum Vorschein kamen sieben bunte Schichten aus bestem kanadischen Ahorn. – Wiktor Stec –

Überhaupt ist ihm das Soziale nicht nur beim Skaten an sich, sondern auch in anderen Bereichen sehr wichtig. „Klasse finde ich beispielsweise das Projekt Skate Aid, mit dem der bekannte Skateboarder und Pädagoge Titus Dittmann Kinder und Jugendlichen in Krisengebieten ein bisschen Spaß und auch eine Perspektive bieten will. Gerne möchte ich dies mit dem Verkauf eines speziellen Produkts unterstützen.“

Schmuck aus Skateboards Victim Brand Wilhelmshaven
Huch, was haben wir denn hier?! 😉
Schmuck aus Skateboards Victim Brand Wilhelmshaven Flasche

Den grauen Alltag bunter machen

Doch warum eigentlich Victim Brand? „Ursprünglich eigentlich deshalb, weil die zerbrochenen Bretter ja wirklich zu Opfern geworden sind, nämlich Opfer der Tricks, also die Skateboards, die wiederverwertet werden. Es gibt aber auch noch eine andere Erklärung. Ich finde, wir alle sind irgendwo auch Opfer dieser Konsumgesellschaft mit ihrer Wegwerfmentalität, zu der wir durch die Kurzlebigkeit vieler Produkte oftmals sogar gezwungen werden“, so Wiktor Stec.

Die immer wieder von vielen, auch von den Herstellern selbst, propagierte Geiz ist geil-Mentalität will er nicht teilen. Vielmehr setzt er auf Qualität und Nachhaltigkeit, auch zur Vermeidung von Müll, insbesondere dem Plastik im Meer. Deswegen ist ihm auch das Recyclen sehr wichtig, zumal dabei etwas sehr Wertiges mit einer langen Haltbarkeit entsteht. „Außerdem möchte ich die manchmal graue Welt mit meinen kleinen Schmuckstücken ein wenig bunter machen.“

Schmuck aus Skateboards Menschen
Credits

Text: Melanie Jülisch

Fotos: Kimberly Harders, Helmut Havelka, Archiv

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