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20. Juni 2018

Scharfe Schoten aus Soltau

In der Lüneburger Heide betreibt Susanne Menke Niedersachsens einzige Freiland-Chilifarm: Die Chili-Manufaktur. Die unbehandelten Schoten verarbeitet sie nach eigenen Rezepten zu Pasten, Ölen und Salzen.

Alles auf einen Blick

Soltau

Chilli-Manufaktur Sacred heart
Susanne Menke
Dannhorn 5a
29614 Soltau
Tel. 05191 – 18223

Chilianbau Lüneburger Heide Soltau Susanne Menke

Gedacht, getan – ein Jahr telefonierte sie sich durch die Instanzen. Sie sprach mit der Landwirtschaftskammer, mit Händlern, doch keiner kann ihr wirklich weiterhelfen. Susanne Menke lässt sich nicht abwimmeln. Letztendlich wird sie bei einem österreichischen Hersteller fündig, er hat Pflanzen, die auch in niedersächsischen Gefilden wachsen müssten. Sie bestellt ihr erstes Saatgut für eine Fläche von rund 250 Quadratmetern. „Das war aufregend. Damals hatte ich ja noch keinerlei Erfahrung.“ 

Wieso eigentlich Chilis?

Die Geschichte von der Chilli-Manufaktur geht so: Susanne Menkes damaliger Freund Ryan mochte keine Butter auf seinem Pausenbrot. Ihn aber mit trockenen Sandwiches gehen zu lassen, kam für sie nicht in Frage. Also experimentierte sie ein bisschen herum und kochte mit Gemüse aus ihrem Bauerngarten und ein paar Chilis einen Brotaufstrich. 

Der schmeckte dem Schotten so gut, dass er seine Arbeitskollegen probieren ließ. Auch sie und alle anderen, die kosteten, waren begeistert. „So entstand die Idee, Chilis anzubauen, Chili-Produkte zu entwickeln und sie zu verkaufen. Denn wenn es ihnen so gut schmeckte, warum nicht auch anderen?“, erinnert sich Susanne Menke an ihre Anfänge im Jahr 2007. 

Chilianbau Soltau Feld Susanne Menke
Handarbeit auf dem Feld: Ab Anfang August kann Susanne Menke die ersten reifen Chilischoten ernten.
Soltau Chilipflanzen
Bunter Kleiderwechsel: Von lila zu rot - die Chilis wechseln die Farbe während des Reifungsprozesses.

Gasstrahler im Folientunnel

Im Januar beginnt sie, die Chilis im Haus vorzuziehen, Anfang April setzt sie die kleinen Pflänzchen nach draußen in den Folientunnel. „Manchmal stelle ich noch einen Gasstrahler dazu.“ Erst nach den Eisheiligen ist es für sie warm genug, um draußen zu überleben. Wenn es noch Nachtfrost oder kalte Perioden gibt, werden die kleinen Scharfmacher mit Vlies abgedeckt. Ab August beginnt die Ernte und noch am gleichen Tag werden die Chilis verarbeitet. Susanne Menke zaubert in ihrer Küche daraus Brotaufstriche, Pasten, Dips, Salze, Saucen, Senfsorten und Öle.
Mit Klapptisch, Tischdecke und Probiertellern fährt sie auf Märkte. Mit Erfolg. Die Leute lieben ihre Chili-Kreationen. „Kein Wunder“, sagt Susanne Menke.
Chilimanufaktur Hofladen in Soltau

Susanne Menke wagt den nächsten Schritt und vergrößert den Anbau, baut einen Onlineshop auf und eröffnet einen eigenen Hofladen auf dem elterlichen Bauernhof.

Chili ist extrem vielseitig, man kann damit einfach alles würzen. Mild, scharf, süß - bei mir kommt Chili an fast jedes Gericht. – Susanne Menke –

Jedes Jahr 1.300 Chilis

Heute baut sie auf mittlerweile 500 Quadratmetern rund 1.300 Chili-Pflanzen an. Ziehen, pflanzen, pflegen, ernten, verarbeiten, verkaufen – alles im Alleingang, ohne Angestellte. „Einzig meine Söhne müssen zwischendurch mal mithelfen, zum Beispiel im Hofladen mitverkaufen oder beim Spannen des Netzes gegen die Rehe mit anfassen. Die fressen meine Chilis nämlich leidenschaftlich gern ab.“

Öffnungszeiten Hofladen:
Mo – Mi 16 bis 19 Uhr
Do geschlossen
Fr 9 bis 19 Uhr
Sa 16 bis 19 Uhr
Juni bis Sept. zusätzlich
So 15 bis 18 Uhr

Öffnungszeiten Hofcafé
:
Juni bis September
So 15 bis 18 Uhr

Ein naturnaher Anbau ist ihr wichtig. „Alles was an meine Pflanzen kommt, ist ein gekörnter Biodünger oder mal ein paar Marienkäfer, deren Larven Läuse vertilgen. Außerdem ernte ich an einem Tag immer nur so viel, wie ich auch am Abend in meiner Hofküche verarbeiten kann.“ So sind die Produkte frisch, ohne Geschmacksverstärker und künstliche Zusatzstoffe.

Chilischoten frische Ernte

Oma Hannas Kräuter

Weil sie alles, was sie über das Kochen und über Kräuter weiß, von ihrer Mutter gelernt hat und diese ihre Tochter immer in ihrem Tun unterstützt und an sie geglaubt hat, auch wenn Susanne Menke selbst mal zweifelte, war der Name für diese Produktelinie schnell gefunden: Oma Hanna. Das Etikett ist ein Schild aus Metall, auf dem Susanne Menke das Porträt ihrer inzwischen verstorbenen Mutter skizziert hat.
Oma Hannas Kräuter von der Chilimanufaktur sacred heart
Und sie wäre nicht Susanne Menke, wenn sie nicht auch schon für die Zukunft Pläne hätte. „Gerne würde ich die Kräutersparte noch erweitern, vielleicht Fortbildungen dazu machen und dann hier auf unserem Hof noch Kochkurse mit Kräutern anbieten.“ Das sie mal von ihren selbsterzeugten Produkten leben kann und dazu in die landwirtschaftlichen Fußstapfen ihrer Eltern tritt, damit hätte sie nie gerechnet, als sie damals auf der Suche nach Butterersatz war. Doch manche Zufälle sind einfach zu gut, um sie verstreichen zu lassen.
Credits

Text: Corinna Mayer
Fotos: Corinna Mayer

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