Filmemoker-Martin-Hermann-Plattdeutsch
4. Februar 2019

Auf Platt durch Raum und Zeit

In unserer Reihe "Unglaublich, aber echt" wird es heute in Kirchdorf im Landkreis Diepholz echt galaktisch! Denn Martin Hermann dreht verrückte Filme auf Plattdeutsch.

Alles auf einen Blick

Kirchdorf

Landkreis: Diepholz

Einwohner: 2.300

Raumschiff "Apparatspott" düst durchs All

Auf Platt durch Raum und Zeit. Diese verrückte Film-Idee hat dem Team der „Filmemoker“ um Martin Hermann (54) aus Kirchdorf im Landkreis Diepholz jede Menge Medienrummel beschert. "...un dat allns op Platt“, rief Martin Hermanns Kumpel „Schumi“ in die Runde, alle grölten, die Kronkorken knallten – die Idee für „Apparatspott I“ war geboren.

Apparatspott? Martin Hermann lacht: „Das ist Plattdeutsch für einen Einmachtopf. Bei uns ist es ein Raumschiff.“ Mit dem entflieht die Bauern-Crew um Käpitän Kork dem Leben „hier ünnen“ auf der Erde. Mit dabei der spitzohrige Ingenieur „Herr Spick“, Kuhdoktor „Pulle“, Techniker „Schrotty“ und „Chefkoch“ (Ähnlichkeiten zur Star-Trek-Mannschaft waren von Anfang an beabsichtigt).

Das Raumschiff „Apparatspott“ düst durchs All, dockt an der Enterprise an und landet auf dem Planeten Alpha Beton in einem Schluckschuppen voller Außerirdischer. Mit Martin Hermann als Geige zupfender Musiker einer außerirdischen Band. Die Rolle passt zu ihm, denn Hermann  ist nicht nur Kameramann, Regisseur und Produzent, sondern hat auch die gesamte Filmmusik selbst gemacht. Genau wie die 3-D-Animationen, die den „Apparatspott“ wie in einem Computerspiel aus den Neunzigern durch die Galaxien rauschen lassen.

Strohl mi rupp, Schrotty! – Marin Hermann –
Filmemacher Martin Hermann aus Sulingen.
„Beam mich hoch, Scotty“, haben die Filmemoker „Platt“ gemacht – und gegrölt. Hinter der Kamera hieß es dann für Martin Hermann: Konzentration.

Mit Omas Gartenlaube ins Weltall

Die Gartenlaube von Hermanns Oma wurde zur Kommandozentrale des Raumschiffs umfunktioniert. Mit Elektroschrott, Bildschirmen, Kabel und Lämpchen als Kommandobrücke. „Wir lagen am Boden vor Lachen, als wir uns das alles ausgedacht haben.“ Ein Drehbuch gab es anfangs nicht. Nur ein paar Freunde, die bei Schluck und Bier ihre Ideen weitergesponnen haben. „Ein richtiger Film sollte das gar nicht werden“, erzählt Hermann und muss noch immer lachen, wenn er sich an die „Filmemoker“-Zeiten erinnert.

Als die letzten Szenen am Sulinger Stadtsee gedreht wurden, kam ein Musikerkollege von Hermann vorbei. „Lass uns doch den Film im Jugendzentrum zeigen“, schlug er vor. Was dann kam, hat alle umgehauen. Am gleichen Abend gab es eine zweite Vorstellung. Bald darauf kamen Zeitung, Radio und Fernsehen. Sie alle berichteten über Käpt’n Kork, Schrotty, Pulle, Chefkoch, Herrn Spick und ihr plattdeutsches Weltraumabenteuer.

Zwei Filme folgten, wurden immer professioneller. Es hagelte Lob, Preise und Auszeichnungen. Danach war erst mal Schluss. „Alles hat seine Zeit“, sagt Hermann. Er selbst hat sich mit einer Medien-Agentur selbstständig gemacht.

Credits

Text: Vienna Gerstenkorn

Fotos: Uwe Hermann, Archiv

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