Plastikfrei Wasserflasche am Arbeitsplatz, trinken
19. Oktober 2018

Tschüss, Plastik! Weniger Müll im Alltag

Tipps für ein plastikfreieres Leben

Manchmal ist es schon paradox: Da machen wir uns einen gesunden Salat mit frischen Zutaten – und der gelbe Sack quillt danach über. Wir alle wissen: Ohne Plastik geht es auch! Wir haben Tipps für euch, wie ihr den Verpackungsmüll reduzieren könnt.

Bisher sind die Zahlen recht deprimierend: Im Schnitt 37 Kilogramm Plastikmüll hat jeder Deutsche 2015 produziert. Davon wurde zwar etwa die Hälfte recycelt – aber wenn man bedenkt, wie leicht Plastik ist, liegt da schon ein ganz schön großer Berg aus Tüten und Verpackungen vor uns. Landet Plastik in der Umwelt, bleibt es dort lange: 450 Jahre würde eine Plastikflasche im Meer treiben, bevor sie sich in kleinste Teilchen auflöst, heißt es vom Umweltbundesamt. Und gerade diese kleinsten Teilchen, das Mikroplastik, sind gefährlich. Nun gibt es natürlich tolle Vorbilder: Zero Waste heißt die Bewegung, bei der versucht wird, vollkommen auf Müll zu verzichten. Bilder von kleinen Einmachgläsern, in die der Müll eines gesamten Jahres passt, bleiben im Gedächtnis. Ganz ehrlich: Für uns wäre das im Alltag nichts. Aber mit einigen einfachen Strategien können wir den Mülleimer ordentlich entlasten.

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Tipp 1: Die richtige Ausrüstung - Stoffbeutel oder Körbe

Seit Mitte 2016 gibt es in den meisten Läden keine kostenlosen Plastiktaschen mehr – und das macht sich bemerkbar. An den Kassen wurden 2015 noch 5,6 Milliarden Kunststofftragetaschen ausgegeben, zwei Jahre später „nur“ noch 2,4 Milliarden.
  • Alternativen zu den Plastiktragetaschen sind Baumwoll-, Leinen- und große Kunststofftaschen. Aber Vorsicht: Umweltfreundlicher sind die nur, wenn sie wirklich oft benutzt werden. Wichtig ist also: wenige gute Baumwoll- oder Leinenbeutel besitzen, die ihr immer wieder mitnehmt. Das Praktische: Die Beutel können gewaschen werden, Risse sind schnell genäht – und gut sehen sie oft auch noch aus.
 
  • In jeden Haushalt gehören auch zwei bis drei wirklich gute Körbe. Denn in die passen wirklich viele Einkäufe und, anders als in Tüten oder Beuteln, bleibt alles ordentlich gestapelt liegen. Tschüss, Druckstellen an Bananen! Schaut euch bald mal auf den Weihnachtsmärkten in der Region um – oft gibt es hier große Stände von Korbmachern. Alternativ bestellt ihr einen. Besonders schöne Exemplare gibt es zum Beispiel HIER und HIER.
 
  • Übrigens: Nicht nur im Supermarkt, sondern auch in Buchläden oder Bekleidungsgeschäften sollten Beutel, Körbe oder Rucksack immer dabei sein. Die dünnen Hemdchen-Beutel, die es für Obst und Gemüse in den Supermärkten gibt, sind in den meisten Läden noch kostenlos und frei verfügbar. Doch auch hier sind schon praktische Alternativen auf dem Markt. Hier gibt es beispielsweise Obst- und Gemüsenetze, die immer wieder verwendet werden können. Und oft ist es einfach nur Gewohnheit, dass beispielsweise Äpfel in eine Plastiktüte gepackt werden – genauso gut können sie auch ohne Tüte im Einkaufswagen landen.
 
  • Unser Tipp: Packt diese gleich, nachdem die Einkäufe wieder verstaut sind, wieder auf das Fahrrad, ins Auto oder in die Handtasche.
   
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Tipp 2: Auf dem Wochenmarkt und im Hofladen einkaufen

Ganz davon abgesehen, dass Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt oft frischer sind und wirklich aus der Region kommen, können wir beim Händler auf dem Marktplatz auch jede Menge Müll vermeiden. Obst und Gemüse sind hier nämlich, anders als im Supermarkt, nicht in Plastik eingeschweißt. Sie wandern direkt in unsere Körbe und Beutel. Gleiches gilt für die vielen schönen Hofläden in Niedersachsen. Verpackungsmüll sparen können wir auch, wenn wir direkt beim Schlachter oder Bäcker einkaufen. Denn hier ist es oft möglich, dass unsere Waren direkt in unsere Beutel oder Dosen gepackt werden – fragt einfach mal freundlich nach! Perfekt für Fleisch und Wurstwaren sind übrigens Dosen wie diese hier.

Tipp 3: In Unverpackt-Läden einkaufen

Ganz darauf eingerichtet, dass die Kunden sich ihre wiederverwendbaren Verpackungen selbst mitbringen, haben sich die Unverpackt-Läden. Die gibt es zum Beispiel in Göttingen und Braunschweig, in Hannover, in Lüneburg und in Osnabrück. Kennt ihr noch mehr Unverpackt-Läden in Niedersachsen? Wir freuen uns über Hinweise! Meist kommen die Waren auch aus der Region und wurden biologisch angebaut. Es gibt aber nicht nur Nudeln, Reis und Kartoffeln, sondern auch Reinigungsmittel, Zahnpasta und Seife. Hier wird darauf geachtet, dass kein Plastik in den Mitteln ist. Gerade Reinigungsmittel und Co. können gut in Schraubgläser abgefüllt werden.
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Tipp 4: Familienpackung statt Gratisprobe

  • Wer Shampoo und Duschgel weiterhin in der klassischen Drogerie kaufen möchte, kann versuchen, auf mehr Inhalt pro Verpackung zu achten. Manchmal gibt es Familiengrößen – leer werden sie auch, wenn sie nur einer benutzt. Statt Shampoo schwören mittlerweile viele auf Haarseife, die gibt es hier zu kaufen.
   
  • Auch ein hochwertiges Stück Seife (die einfachen sind leider sehr schnell verbraucht) ist eine gute Alternative und sieht in hübscher Seifenschale auch schön aus.
 
  • Spülmittel kann übrigens ebenfalls in Großpackungen gekauft und in einen Seifenspender umgefüllt werden, das sieht in der Küche auch noch besser aus. Zu Gratisproben in kleinsten Behältern können wir guten Gewissens auch mal Nein sagen. Und statt für den Urlaub immer wieder kleine Shampoo- und Duschgelflaschen zu kaufen, um nicht so viel Gepäck zu haben, können sie wieder benutzt werden. Alternativ können Shampoo, Duschgel und Creme in kleine Schraubgläser gefüllt werden.

Tipp 5: Glas statt Plastik

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In den meisten Supermärkten gibt es Ketchup, Senf, Milch, Öl, Essig und auch Joghurt und Quark auch in Glasbehältern. Beim nächsten Einkauf einfach mal drauf achten! Auch Milchtankstellen sind da eine gute Anlaufstelle. Und wenn es Plastik sein muss, sind größere Verpackungen die bessere Wahl. Statt also acht kleine Joghurts zu kaufen, lieber nach einer Großpackung greifen.

Tipp 6: Keine Kaffee-Kapseln

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Kaffeekapsel-Maschinen waren vor einigen Jahren der totale Renner. Und es ist ja auch echt praktisch, passgenau ein oder zwei Tassen Kaffee zu bekommen. Der Abfall, der täglich produziert wird, ist allerdings nervig. Aber auch hier gibt es eine Alternative: Dieses Kaffeekapsel-Set lässt sich immer wieder befüllen.
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Tipp 7: Edelstahl für unterwegs

  • Statt immer wieder unterwegs Getränke in Plastikflaschen zu kaufen, sind Edelstahl-Flaschen die bessere Alternative. Getränke bleiben darin kalt oder alternativ warm. Und mit unseren Tipps zur Reinigung der Flaschen, bleiben sie auch richtig lange sauber!
   
  • Ebenso die Coffee-to-go-Becher lassen sich durch mitgebrachte Kaffee-Behälter vermeiden – in den meisten Läden ist es problemlos möglich, dass der Kaffee in die eigenen Becher gefüllt wird. Und für den Mittagstisch bieten viele Cafés und Imbisse mittlerweile an, das Essen in mitgebrachte Boxen zu füllen. Einfach mal nachfragen!

Tipp 8: Mehrweg statt Einweg

  • Beim Getränkekauf darauf achten, dass Wasser und Co. in Mehrwegflaschen abgefüllt sind. Nur, weil es eine Pflandflasche ist, wird sie nicht unbedingt mehrmals verwendet. Als Faustregel gilt: Die meisten Plastikflaschen, bei denen ein Pfand in Höhe von 25 Cent genommen wird, sind Einwegflaschen. Immer ist auf Einwegflaschen das Logo der DPG (Flasche und Dose von einem Pfeil unterstrichen) abgebildet.
 
  • Besser sind die Mehrwegflaschen – die aus Glas können bis zu 50 Mal, die aus Plastik bis zu 25 Mal wiederbefüllt werden. Da Glasflaschen schwerer sind, haben sie aufgrund des Transports eine schlechtere Öko-Bilanz als Mehrweg-Plastikflaschen. Also am besten darauf achten, dass das Wasser aus der Glasflasche aus der Region kommt. Noch besser (für Umwelt und Rücken) ist es, einfach auf Leitungswasser zu setzen. Mit einem Schuss Zitronen- oder Limettensaft schmeckt das richtig erfrischend und sieht in Glaskaraffen wie dieser hier einfach toll aus!
 
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Tipp 9: Alles sauber mit Putz-Steinen

Eine ganze Armada von Plastikflaschen steht in vielen Putzmittel-Regalen. Das muss aber nicht sein. Es gibt Allround-Talente wie den Putzstein, die an fast allen Stellen im Haushalt zum Einsatz kommen können und lange halten, ohne viel Müll zu verursachen.

Tipp 10: Hatschi! Gesundheit für die Umwelt

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Die Erkältungssaison beginnt gerade – unzählige Taschentücher werden bis zum Frühjahr in unserem Müll landen. Und mit ihnen die Plastikverpackungen. Zumindest Zuhause ist ein großer Taschentuchspender sinnvoll.
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Tipp 11: Zero Waste

Wer wirklich ernst machen möchte, der findet beispielsweise im Original Unverpackt Online Shop jede Menge Dinge, die den Zero Waste Lebensstil näher bringen. Da gibt es zum Beispiel Strohhalme aus Glas, Topf-, Milchflaschen- und Scheuerbürste aus Holz, die Menstruationstasse als Alternative zum Tampon, wiederverwendbare Abschminkpads aus Baumwolle und sogar Kondome aus Naturkautschuk.

Tipp 12: Brauche ich das alles?

Allgemein gilt: Bevor etwas Neues gekauft wird, kann einmal darüber nachgedacht werden, ob es eine nachhaltigere Alternative gibt. Das fängt dabei an, nicht unbedingt zum günstigsten Produkt zu greifen, sondern zum qualitativ hochwertigeren, das länger hält. Wird ein neuer Wäschekorb benötigt, kann vielleicht einer aus Weidenholz statt aus Plastik in den Haushalt ziehen. Und bevor wieder ein Planschbecken angeschafft wird, das spätestens nach einem Sommer schlapp macht, garantiert auch eine Wanne aus Zink oder Holz viel Badespaß – die gibt es zum Beispiel auf Flohmärkten oder HIER.
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Mehr zum Thema Zero Waste:
Wer noch mehr zum Thema Zero Waste erfahren möchte, findet auf Blogs wie Zero Waste Lifestyle, Original Unverpackt oder Wasteland Rebel Inspiration.
Credits

Text: Charlotte Wolframm

Fotos: Fotolia, Pixabay, Original Unverpackt, Charlotte Wolframm

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