Abir Kobeissi Mode Design Lueneburg Orient
4. September 2018

Orientalische Mode aus Lüneburg

Abir Kobeissi passt nicht ganz in die vielen Schubladen, in die so Mancher sie gerne stecken würde. Sie ist 27 Jahre alt, dreifache Mutter und sie trägt Kopftuch. Abir ist eine Macherin, Geschäftsfrau und sie entwirft Mode in Lüneburg.

Alles auf einen Blick

Lüneburg

Landkreis: Lüneburg

Einwohner: 6.800

Erstmals urkundlich erwähnt: 795

Die Schaufensterpuppe war ein Geschenk ihres Vaters. Ein Designerstück, Handarbeit, geringe Auflage, erklärt Abir Kobeissi stolz, während sie die Hawaikette vom Hals der Puppe streift. Doch so ganz will die High-Fashion-Dame aus Kunststoff einfach nicht hier her passen – zwischen Familienfotos, Couch und DVD-Sammlung in dieses ganz normale Wohnzimmer irgendwo in Lüneburg.
Modedesignerin Abir Kobeissi mit Schaufensterpuppe in Lüneburg

Vom Libanon nach Lüneburg

Auch Abir Kobeissi passt nicht ganz – in keine der vielen Schubladen, in die so Mancher sie gerne stecken würde. Kobeissi ist 27 Jahre alt, dreifache Mutter, sie trägt Kopftuch, sie hat keine Ausbildung. Kobeissi ist eine Macherin, Geschäftsfrau, Visionärin, Modedesignerin. Passt nicht – gibt es nicht für sie.

Im Libanon geboren, kam Abir Kobeissi mit etwa drei Jahren nach Lüneburg. Hier wuchs sie auf, hier ging zur Schule. Mit 14 Jahren entdeckte sie ihr Gespür für Farben und Formen und ihre Leidenschaft für Mode. „Ich habe immer irgendwelche Stoffe zerschnitten, Farben kombiniert, genäht, ausprobiert. Dann habe ich mir meine erste Nähmaschine gekauft. Ich weiß es noch, es war eine ganz alte, komplett aus Metall“, sagt sie lächelnd und hängt der Erinnerung für ein paar Sekunden nach.

Ich möchte die muslimische Frau mit Kopftuch moderner machen. – Abir Kobeissi –

Heute ist ihre Nähmaschine eine andere, doch Abirs Begeisterung für modische Experimente ist geblieben und zu einer Vision geworden: „Ich will die europäische und die orientalische Mode verbinden, insbesondere für muslimische Frauen, die ein Kopftuch tragen. Ich will, dass muslimische Frauen mit meiner Kleidung durch die Stadt spazieren können, ohne komisch angeguckt zu werden, denn das passiert ja leider immer noch“.

Abir Kobeissi aus Lüneburg mit ihren Stoffen
Modedesignerin Abir Kobeissi aus Lüneburg an ihrer Nähmaschine
Abir Kobeissi aus Lüneburg schneidert orientalische Mode.

Bunt, verspielt und luftig

Ratternd frisst sich die Nadel Stück für Stück durch den feinen Stoff. Ein paar Nähte noch, dann ist der erste Entwurf der Bluse fertig. Sie ist bunt, verspielt, luftig und so ganz anders, als die klassische muslimische Kleidung für Frauen, wie etwa die schwarze Abaya, die den ganzen Körper verdeckt. „Ich möchte die muslimische Frau mit Kopftuch moderner machen. Viele Frauen tragen viel zu viel und viel zu enge Kleidung, teilweise drei Oberteile übereinander, um alles zu verdecken“, sagt Abir Kobeissi und weiß, „auch als Frau mit Kopftuch kann man zu einer Jeans ruhig eine Bluse tragen, die alles verdeckt, aber längst nicht so extrem aussieht.“

Abir Kobeissi zeichnet Entwürfe für Kleider.

Verbindungen schaffen, das ist Abirs großer Wunsch: auch europäische Frauen mit ihrer Mode zu begeistern und irgendwann einmal für Stars zu schneidern. Die Augen der 27-Jährigen funkeln bei dem Gedanken daran. Die Chancen stehen gut: Gerade arbeitet sie an einer ganzen Kollektion, die sie im September auf einer Modenschau im Kulturzentrum „One World“ in Reinstorf präsentieren wird. Schon bald sollen die Stücke auch über einen Onlineshop des Kulturzentrums zu kaufen sein. „Die Leute sind oft überrascht, wenn sie sehen, dass eine Frau mit Kopftuch Mode entwerfen kann. Ich mag es als Überraschung da zu stehen“, sagt sie und schmunzelt. Dabei spielte die Mode lange Zeit keine Rolle in ihrem Leben. Viele Enttäuschungen habe sie erlebt, Rückschläge. Doch darüber möchte die junge Mutter heute nicht mehr sprechen: „Ich will die Leute mit meiner Arbeit begeistern und nicht auf die Tränendrüse drücken.“

Modedesignerin Abir Kobeissi schneidert an ihrer Nähmaschine Mode für muslimische Frauen.
„Kurz.“ So beschreibt Abir die europäische Mode. Kurze Röcke, kurze Ärmel, kurze Hosen – und nichts davon ist für muslimische Frauen geeignet. Oder doch? „Es ist eigentlich ganz einfach“, erklärt die Lüneburgerin, „wenn ich zum Beispiel eine kurze Bluse haben, müsste ich die nur verlängern. Der Schnitt kann bleiben, das Muster kann bleiben und schon schaffe ich eine Verbindung“.

Wohnzimmer als Modeatelier

Nervös blickt Abir Kobeissi zur Uhr. Ein bisschen Zeit hat sie noch, bis die Kinder aus der Schule und dem Kindergarten nach Hause kommen. Dann wird sie allein Mutter sein, bis zum Abend. Bis das Wohnzimmer erneut Modeatelier, der Esstisch zum Arbeitstisch und Abir Kobeissi zur Modedesignerin wird. Passt nicht? Dann macht sie es passend – eigentlich ganz einfach.

Credits

Text und Bilder: Anke Dankers

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