Biene-Kirschbluete
17. Mai 2019

Niedersachsens Bienen

Am 20. Mai ist Weltbienentag. Wir besuchen einen Imker in Hildesheim und ein Bienenzentrum im Emsland.

Alles auf einen Blick

Honigmanufaktur Eggers

Ahnekamp 29

31137 Hildesheim

Tel:  0172 / 43 85 107

E-Mail: info@honigmanufaktureggers.de

Es summt und brummt. Vor den Kisten ist emsige Bewegung. Ohne Pause fliegen Bienen den Eingangsschlitz an und krabbeln hinein, andere verlassen den Bienenstock gerade wieder. Jetzt im Frühling sammeln die Bienen nach langer Winterpause wieder eifrig Tracht: Nektar und Pollen von blühenden Pflanzen und Honigtau, den zum Beispiel Läuse ausscheiden.

Honigbienen
Biene auf Blume

Ein Hoch auf die Bienen

Um auf die Bedeutung der Biene hinzuweisen, gibt es seit dem letzten Jahr den Weltbienentag. Fast alle Wild- und Nutzpflanzen sind nämlich darauf angewiesen, dass Insekten wie Bienen, Fliegen, Wespen, Schmetterlinge oder Motten sie bestäuben.

Doch die Insektenvielfalt schwindet dramatisch, viele Insekten sind in den letzten Jahren ausgestorben. Die Honigbiene als Nutztier ist zum Glück nicht vom Aussterben bedroht, da sie nachgezüchtet werden kann. Doch das immer knappere und einseitigere Nahrungsangebot in unserer Landschaft bereitet Wild- wie Honigbienen große Probleme. Hinzu kommt der großflächige Einsatz von Pestiziden und die Ende der 1970er Jahren nach Deutschland eingeschleppte Varroa-Milbe, die sich seit den 1980er Jahren über das ganze Land ausbreitete. Der Parasit schwächt die Tiere, viele Völker überstehen den Winter deshalb nicht.

Rekordverdächtige Leistung!

Honigbienen leisten Unglaubliches: Für ein 500g-Glas Honig fliegen Arbeitsbienen rund 40.000 mal aus und legen dabei eine Flugstrecke von etwa 120.000 Kilometern zurück – so viel wie dreimal um die Erde! Doch nicht immer können die Bienen so viel Nektar einsammeln, dass ein Honig-Überschuss für den Imker bleibt. Die Sommerbienen arbeiten hart, sie leben deshalb nur sechs Wochen. Von den rund 100.000 Imkern in Deutschland – knapp 12.700 davon in Niedersachsen – können nicht mal tausend erwerbsmäßig von der Bienenhaltung leben. Das ist weniger als ein Prozent.

Die allermeisten imkern also hobbymäßig. Viele sind Mitglied im Verein Deutscher Imkerbund, der die Bienenhaltung fördern und verbreiten will. Rund 400 der deutschen und Südtiroler Imker arbeiten nach Bioland-Richtlinien. Christian Eggers ist einer von ihnen in Niedersachsen. Die Magazinbeuten aus Holz, an denen es summt und brummt, gehören seiner Bioland-Imkerei und Honigmanufaktur in Hildesheim.

Imker

Bienen für Bioland-Produktion

Schon als Jugendlicher war Christian Eggers fasziniert von den Tieren. „Mit 16 Jahren besaß ich im Garten meiner Eltern mein erstes Bienenvolk“, erzählt er. Jahrelang ruhte die Imkerei, doch seit nunmehr zehn Jahren hält der 50-Jährige wieder Bienen. Anfangs noch ein Hobby, wurde bald Berufsimkerei daraus, und im Jahr 2012 hat er den Betrieb zusammen mit seiner Frau Nevena auf Bioland-Produktion umgestellt. Aus tiefer Überzeugung: „In den letzten drei Jahrzehnten sind 70 Prozent der Insekten bei uns vernichtet worden“, sagt er, „deswegen gibt es für uns beide keine Alternative zum ökologischen Landbau.” Gerade jetzt im Mai, wenn die Bienen nach der Winterruhe sehr aktiv sind, Nektar an blühenden Bäumen und anderen Pflanzen sammeln und zu schwärmen beginnen, hat der Imker enorm viel zu tun.

Imker

Bienen nicht anpusten

Permanent kontrolliert Christian seine derzeit 200 Bienenstöcke, überwacht vor allem auch die Entwicklung neuer Königinnen. Denn die sollen nicht unkontrolliert schwärmen. Seine Magazinbeuten stehen in und um Hildesheim und Hannover, dort neuerdings auch zehn Stück im Stadtgebiet im Rahmen des Projekts Hannover summt. Die Bioland-Verbandsrichtlinien geben vor, dass seine Bienen nur dort fliegen dürfen, wo biologische Landwirtschaft betrieben wird oder wo auf Grün- und Waldflächen nachweislich keine Pestizide zum Einsatz kommen.

So wie im Naturschutzgebiet rund um Eggers` Haus in Hildesheim. Die Bio-Bienen produzieren bei ihm ihren eigenen Bienenwachs und ziehen darin ihren Nachwuchs groß, Waben werden nicht zugekauft. „Das Erzeugen von Wachs fordert viel Energie von den Bienen, die nicht in den Honig fließt“, erklärt der Imker, der übrigens fast immer ohne Schutzkleidung arbeitet. Denn die Bienen sind sehr friedlich: „Man sollte nur immer von hinten an die Beute herantreten, keine hektische Bewegungen machen, kein starkes Parfum benutzen oder die Tiere anpusten“.

Bienenwaben
Bienenbeute
Bienenbeute
Imker-Bienen-Wabe-Honig

Ran an den Honig

Wird der Honig geerntet, muss die Wachsschicht auf den Waben ganz vorsichtig entfernt werden. Und wenn es im Herbst keine Tracht mehr gibt? Dann überwintern die Tiere ebenfalls möglichst auf eigenem Honig – auch das schmälert den Ertrag. Die Varroa-Milbe hat der Bioland-Imker jahrelang wie die meisten seiner Kollegen mit organischen Säuren bekämpft, die immer auch eine Vielzahl der Bienen getötet hat, „das hat mir jedes Mal die Tränen in die Augen getrieben“, sagt er. Inzwischen hat er eine neue Methode ausgetüftelt: Er setzt jedes einzelne Volk nach der Schwarmzeit um und bekommt so neue, milbenfreie Völker.

Honigernte
Honigernte
Honig

Kinderbesuch bei den Bienen

Zusammen mit seiner Frau investiert Christian Eggers nicht nur viel Zeit in die Bienen, sondern sehr gern auch in die Umweltbildung: „Viele Menschen können nicht mehr zwischen Biene, Wespe, Hummel und sogar Schwebfliege unterscheiden. Wir zeigen deswegen schon den Kleinsten, was für tolle Tiere die Bienen sind.“ So haben die Eggers manchmal Kindergartengruppen zu Besuch in ihrem Garten, etwa die – ganz passend – „Bienengruppe“ einer Kita im benachbarten Stadtteil. Viele Kinder kämen skeptisch her und gingen später total begeistert wieder nach Hause – und sehr stolz, wenn sie es sich getraut haben, eine der zarten, weichen Bienen auf der Hand zu halten.

Biene
Kinder bei Bienen
Bienen
Bienen
Emsland: Bienenzentrum Imme im Bourtanger Moor

Von Hildesheim gut 200 Kilometer westlich an die niederländische Grenze: Bildungs- und Aufklärungsarbeitet rund um die Biene leistet im Emsland auch das Bienenzentrum „Imme Bourtanger Moor“ in Haren an der Ems. Dank der Blütenpflanzen in Moor und Heide war Honig einst eine wichtige Nahrungs- und Einkommensquelle der Menschen im Emsland. Bienenhaltung hat hier an der deutsch-niederländischen Grenze eine lange Tradition. Das erste grenzüberschreitende Bienenzentrum weiß: Bienen machen nicht vor der Grenze halt. Eine Basisschulung begleitet angehende Imker durch das imkerliche Jahr und Besucher können den Insekten beim Honigsammeln zuschauen und einen Blick in deren Kinderstube werfen.

Die Vereinsmitglieder kümmern sich außerdem darum, den Schutz der Bienen durch Aufklärung voranzutreiben – auf beiden Seiten der Grenze. „Wir gehen zum Beispiel in die Landwirtschaftsschulen und sprechen dort mit den Junglandwirten“, erklärt Vorstandsmitglied Björn Wicks. Denn durch einfache Maßnahmen lässt sich der schädliche Einfluss der Mittel auf die Bienen zumindest verringern. Wenn die Bauern etwa in den Abendstunden spritzen, wenn die Bienen bereits im Stock sind, dann ist bis zum nächsten Morgen ein Teil des Pflanzenschutzmittels abgebaut. „Viele wissen auch nicht, dass Bienen nicht nur Nektar aus Blüten sammeln, sondern auch den Honigtau der Blattläuse“, erklärt Wicks. Es hilft also den Bienen nicht, wenn man nur blühende Pflanzen nicht spritzt, die Blattläuse hingegen mit Gift bekämpft.

Bienenwiese
Bienen und anderen Insekten helfen

Ihr wollt auch etwas tun? Mit ein paar einfachen Maßnahmen könnt den Bienen und vielen anderen Insekten helfen:

  • Holt euch insektenfreundliche Pflanzen auf den Balkon und in den Garten: Dazu zählen vor allem blühende Kräuter und Sträucher und heimische Sommer- und Herbstblumen.
  • Lasst euren Rasen (zumindest teilweise) zur Wiese werden, mit Gänseblümchen, Löwenzahn & Co.
  • Wildbienen und andere Insekten benötigen Holz als Unterschlupf: Baut oder kauft ein Insektenhotel und hängt es an passender Stelle auf. Oder lasst totes Holz im Garten liegen.
  • Entscheidet euch für heimischen Honig, auch wenn der ein wenig teurer ist.
  • Bekämpft Blattläuse im Garten ohne Pestizide – das gilt ganz besonders tagsüber, wenn die Bienen unterwegs sind.

Mehr zu den Bienen in Niedersachsen lest ihr im Bienenblog des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Eine Übersicht niedersächsischer Imker findet ihr hier:

Credits

Text: Anke Benstem

Fotos: Honigmanufaktur Eggers, Iris Schaper, Anke Benstem

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