Kuh-Stylist-Kamera
1. April 2019

Der Kuh-Fotograf

Wolfhard Schulze aus Drebber, Kreis Diepholz, setzt als hauptberuflicher Kuhfotograf wertvolle Stallschönheiten in Szene. Wir haben zugeschaut beim Shooting.

Alles auf einen Blick

Drebber

Landkreis: Diepholz

 

Waschen, scheren, sprayen

Waschen, scheren, sprayen – im Stall von Landwirt und Rinderzüchter Rainer Engelke aus Asendorf-Brebber (Kreis Diepholz) herrscht  Friseursalon-Feeling: Eine Holstein-Friesian-Kuh soll für einen Katalog fotografiert werden. Bevor der Fotograf zum finalen Motiv abdrücken kann, bemüht sich eine Handvoll Männer um Styling und Positionierung der Schwarzbunten.

Kuhfotograf Diepholz
Penibel reinigen, akkurat scheren: Mitarbeiter Björn Franke bereitet das Kuh-Model für den Fototermin vor.

Friseursalon für Kühe

Der Einsatz beginnt mit Waschen und Scheren. Für diesen Fototermin bekommt die Kuh allerdings nur das kleine Schönheitsprogramm, und das auch nur auf der „Schokoladenseite“, die fotografiert werden soll. Kein Vergleich zum Aufwand bei den großen Schauen mit Fachpublikum aus aller Welt. Da beginnt das Wellness-Programm bereits Tage vorher, und vor dem großen Auftritt zeigen hochprofessionelle Kuhfriseure, die „Kuh-Fitter“, ihr ganzes Können.

Doch diese Milchkuh soll nicht auf die große Bühne, hier geht es um ein Foto zur Vermarktung ihres Nachwuchses. Schulzes Mitarbeiter Björn Franke hat zu Rasierer, Bürste und Putzzeug gegriffen. Schwarz-weiße Haarbüschel auf dem Boden zeugen davon, dass der Mann an der Schermaschine ganze Arbeit geleistet hat. Akkurat kurz ist das Fell und lenkt den Blick auf Körperbau und Becken.

Besondere Sorgfalt gilt dem Euter. Das Melken vor dem Shooting wurde eigens etwas verschoben, damit sich die Milchadern gut abzeichnen. Hängendes Drüsengewebe zählt auch bei Kühen nicht zum Schönheitsideal: Fest an der Bauchdecke angesetzt soll es sein, das perfekte Euter.

Am Hinterteil der Kuh werden letzte Spuren von Kot abgewaschen und mit Küchenkrepp trockengerieben. Immer griffbereit in dieser Phase des Fototermins: ein Zehn-Liter-Eimer als mobiles Kuh-Klo. Urinflecken oder Fäkalspritzer auf dem weiß gewienerten Fell kann jetzt niemand mehr gebrauchen. Wo das kurzgeschorene Fell trotz aller Reinigungskünste noch ein wenig gelblich wirkt, kommt die Spraydose zum Einsatz. Auch das beeindruckende Euter wird noch einmal glänzend übersprayt.

Kuhfotograf Diepholz

Profi-Kuhfotograf Wolfhard Schulze bürstet noch schnell ein Haarteil für den Schwanz fluffig auf.

Kuh-Fotograf Diepholz
Letzte Feinheiten an den Klauen aufhübschen - der Eimer als mobiles Kuhklo ist in dieser Phase stets in Reichweite.

Notfallklo griffbereit

Der Wiederkäuer lässt das Styling-Programm geduldig über sich ergehen. Die Königsdisziplin der Kuh-Fitter ist das Ausrichten einer perfekt-geraden Rückenlinie, der „Topline“, mit Föhn, Bürste und Spray.

Doch dieses Styling entfällt bei diesem Shooting, da hier weder Publikum noch Juroren live zu beeindrucken sind. „Da gehe ich später bei der Bildbearbeitung am PC ein bisschen dran“, sagt Kuhfotograf Schulze.

Draußen hat Rainer Engelke noch fix eine kreisrunde Bühne für Tier, Fotograf und Helfer freigemäht. Profi Schulze wirft noch einmal einen kritischen Blick auf die gestylte Schwarzbunte. Alles o.k. – jetzt wird das vierbeinige Model auf die frisch gemähte Wiese geführt. Ein Helfer vorweg, ein zweiter sichert die Kehrseite mit besagtem Notfall-Eimer ab.

Kuhfitter Diepholz
Etwas Glanzspray bringt das prächtig pralle Euter samt Beaderung für das Foto noch besser zur Geltung.

Fake-Bulle und Spiegel

Gleich wird sich auch herausstellen, weshalb in Schulzes Kofferraum nebst Kameraausrüstung und Putzzeug eine kuhfell-farbene Decke liegt. Oberste Prämisse für ein gelungenes Bild ist nicht nur die perfekte Positionierung von Kopf, Schwanz, Vorder- und Hinterbeinen – auch der Blick aus sanften Kuhaugen soll interessiert und wach sein.

Deshalb versteckt sich einer der Männer hinter dem Auto und gibt auf Kommando mit Felldecke und röhrenden Tönen vom Band den Bullen. Die Schwarzbunte scheint die Sache zu durchschauen – unwillig schmeißt sie den Kopf zur Seite. Also das Ganze noch mal: Der mit einem Haarteil verlängerte Schwanz wird mit einem Faden leicht angehoben, die Beine exakt positioniert. Wieder findet die Kuh den Hilfsbullen nur mäßig spannend. Jetzt müssen Spiegel und Staubwedel ran.

Letztlich zieht bei der Holstein-Kuh das, was ihre zweibeinigen Model-Kolleginnen vermutlich auch am liebsten tun: Das eigene Konterfei im Spiegel bewundern. Wolfhard Schulze ist zufrieden: „Das Motiv passt. Haltung, Bein- und Beckenstellung sind perfekt.“

Kuh-Fitter Diepholz
Spieglein, Spieglein: Der Trick mit dem vorgehaltenen Spiegel lässt das Kuh-Model interessiert gucken.
Credits

Text und Fotos: Christiane Hüneke-Thielemann

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