Kuh
16. Januar 2019

Eine Kuh zum Kuscheln

Heute wird es in unserer Reihe "Unglaublich, aber echt!" echt kuschelig. Denn auf dem Bauernhof von Heidi und Jürgen Voß in Laave, Landkreis Lüneburg, kann man mit einer Kuh schmusen.

Alles auf einen Blick

Laave

Landkreis: Lüneburg

Ferienbauernhof Voß

Lübtheener Straße 22

19273 Laave

Telefon: 038845 - 41292

Mobil: 0173- 9107344

E-Mail: info@ferien-bei-bauer-voss.de

 

Komm kuscheln!

Milchkuh "Laura“ teilt gelassen und geduldig ihr Strohbett mit Gästen. Schließt genüsslich die Augen, wenn sie gekrault wird, bildet mit ihrem Körper ein sanftes und warmes Ruhekissen zum Runterkommen. Kuhstallduft und ein freundlicher Stupser mit der nasswarmen Schnauze inklusive. Das ungewöhnliche Entschleunigungsprogramm hat sich im Laufe der Jahre zu einem festen Bestandteil auf dem Hof entwickelt. Was auch am großen Medieninteresse lag, berichtet Bauer Jürgen Voß.

Wer Familie Voß besucht, bekommt schon bei der Anreise eine Ahnung von Ruhe. Amt Neuhaus, östlichster Zipfel des Landkreises Lüneburg und einzige Region Niedersachsens jenseits der Elbe, besticht mit der Weite der Wiesen, Felder und Gräben der Elbtalaue. Ein paar Kilometer entfernt vom Dörfchen Laave liegt der Hof von Bauer Voß.

Eine Frau kuschelt mit einer Kuh im Stroh.
Kuschelkuh Laura schließt entspannt die Augen - auch sie scheint die Nähe der Entschleunigung suchenden Menschen zu mögen.

Allemann umsiedeln

Bald nach der Wende, 1991, kaufte Jürgen Voß das alte Anwesen, um eine neue Existenz und Milchwirtschaft aufzubauen. Als gelernter Landwirt und zugleich ausgebildeter Schlosser, stammt er aus einer kleinen Landwirtschaft in Penkefitz, Dannenberg. „Wir haben das Hauptgebäude zu drei Wohnungen umgebaut, außerdem wurde ein neuer Milchviehstall gebaut“, erzählt er. Mit 100 Milchkühen und Nachzucht werden 250 bis 280 Tiere versorgt, gewirtschaftet wird auf rund 250 Hektar, davon 110 Hektar Grünland.

Zwei Zufälle sorgten dafür, dass sich Hof und Milchwirtschaft in eine eher unkonventionelle Richtung entwickelten:  „Nachdem eine unserer absolut handzahmen Kühe plötzlich unnahbar wurde, sprach ich mit einer Heilpraktikerin darüber – ihre spontane Diagnose und ihr Behandlungsvorschlag waren goldrichtig und die Kuh bald wieder die alte“, erzählt Jürgen Voß. Diese Erfahrung legte den Grundstein für eine heute überwiegend homöopathische Behandlung der Milchkühe im Voß‘schen Stall.

Per Du mit einer Kuh

Die besonders tiefenentspannten Kühe brachten den Landwirt, der nach dem Tod der Eltern die frei gewordenen Räume gerade zu Wohnungen für Bauernhofgäste umbaute, dann auf eine Idee: „Kuhkuscheln, das hatte ich mal in einer holländischen Fachzeitung gesehen“. Wer mit den massigen, gut 600 Kilogramm schweren und an die 39 Grad warmen Körpern der Wiederkäuer auf enge Tuchfühlung geht, kommt zur Ruhe. Stressabbau, der bei vielbeschäftigten Managern aus Hamburg ebenso wirken soll, wie bei ADHS-verdächtigen Kindern aus Berlin. Gebucht werden kann die Entspannungszeit während eines Ferienaufenthaltes, aber auch als Tages- oder Wochenend-Paket mit Kaffee und frisch gebackenem Kuchen.

Wer den 600 Kilogramm schweren und 39 Grad warmen Körpern der Kühe auf Tuchfühlung geht, kommt zur Ruhe. – Bauer Voß –
„Reich wird man durch das Kuhkuscheln zwar nicht“, räumt der Landwirt ein. Aber die Medien-Aufmerksamkeit sei auch eine Hilfe, um als Ferienbauernhof bekannt zu werden – nach jeder Veröffentlichung werde man in den Suchmaschinen ein bisschen besser gefunden. „Doch man muss sich genau anschauen, mit wem man da zusammenarbeitet, vor allem beim TV“, weiß Voß, „da gibt es einige Privatsender, die würde ich nie auf den Hof lassen – die gehen sonst auch nicht gut mit unserem Berufsstand um.“
Ein Bauer füttert seine Milchkühe
Seine Milchkühe wird Jürgen Voß schweren Herzens demnächst abschaffen und eine kleine Mutterkuhherde aufbauen. Kuschelkuh Laura soll aber bleiben.
Kuhkuscheln-Kaelber-fuettern
Das Füttern der Kälber übernimmt Heidi Voß. Kleine und auch große Feriengäste lieben es, dabei mitzuhelfen.

Kühe sind unser Leben

Das Jahr 2019 wird einschneidende Veränderungen bringen, denn schweren Herzens hat sich das Ehepaar Voß entschlossen, die Milchwirtschaft aufzugeben: „Es lohnt einfach nicht mehr bei diesen Milchpreisen, außerdem haben wir durch das Dürrejahr ein großes Problem mit dem Futter.“ Dass der Sohn, der zunächst auf dem Hof mitgearbeitet hatte, privat und beruflich eine neue Heimat gefunden hat, kommt ebenfalls hinzu. „Aber wir werden eine kleine Mutterkuhherde aufbauen. Denn ganz ohne Kühe auf dem Hof – das geht nicht. Kühe sind mein Leben“, sagt Jürgen Voß.

Schnauze einer Kuh

Kuschelkuh Laura bleibt

Der Schwerpunkt auf dem idyllischen Hof in der Elbtalaue soll künftig auf den „Ferien auf dem Bauernhof“ liegen. Auch unter diesem Aspekt ist die geplante Mutterkuhherde wichtig, denn neben Katzen, Hund, drei Mastschweinen (zum Eigenbedarf auf dem Hof) und Hühnern („Eiersuchen ist total beliebt“), sollen die Gäste weiterhin Kühe erleben können. Und ihnen auf Wunsch auch ganz nah kommen: „Das Kuhkuscheln werden wir weiterhin anbieten – unsere Kuschelkuh-Laura wird natürlich bei uns bleiben“, stellt Bauer Voß klar.

Schild vor einem Bauernhof
Ferien ohne Stress: Auf dem Urlaubsbauernhof in Laave sind Ruhe und die Nähe zu Tieren die Attraktion.

So wird bei Familie Voß mit Kühen gekuschelt:

Credits

Text: Christiane Hüneke-Thielemann

Fotos: Christiane Hüneke-Thielemann, pixabay

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