Wandern_im_Harz
5. Februar 2017

Harz hoch 3 – Der Berg ruft

Einmal Brocken und zurück – ob das auch für Ungeübte zu schaffen ist? Fragte sich unsere Autorin, zog die Wanderschuhe an und machte sich auf den Goetheweg. Eine Erstbegehung.

Alles auf einen Blick

Harz Mittelgebirge

Lage: am Schnittpunkt von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
Höhe: 1142 m. ü. NN
Tourismus: Wandern, Mountainbiking, Golfen, Wellness

Wer auf den Gipfel möchte, muss der kleinen Hexe folgen. Das Signet der Frau mit dem Kopftuch, die auf einem Besen reitet, wird mir auf meiner Tour immer wieder begegnen. Die Schilder am Ortsausgang von Torfhaus, dem Startpunkt, sind nicht zu übersehen: Brocken, 7,7 Kilometer. Und zurück muss ich auch wieder.

Wandern im Harz
Ein Schild weist die Richtung des Goethewegs. Der Wanderweg Goetheweg führt von Torfhaus auf den Brocken. Der Weg beschreibt in etwa den wahrscheinlichen Weg, den Johann Wolfgang von Goethe bei einer Besteigung des Brocken 1777 gegangen ist. Heutzutage ist er einer der meistfrequentierten Wanderwege im Nationalpark Harz.
Goetheweg, Wandern im harz
Wandern auf dem Goetheweg

Für meine Erstbesteigung habe ich den Goetheweg gewählt, eine von vier Aufstiegsmöglichkeiten. Er soll auch für Anfänger gut zu meistern sein und führt zunächst durch einen lichten Nadelwald. Der Duft von Fichten hängt in der Luft, die Herbstsonne spiegelt sich im moorigen Wasser des fast 200 Jahre alten Abbegrabens, der ein Stück parallel zum Wanderweg verläuft – Vorbote des Großen Torfhausmoores, einer 30 Hektar großen Fläche, die in Grün- und Brauntönen schimmert. Dann taucht das Objekt der Begierde am Horizont auf: der Brocken.

In einem Nationalpark darf die Natur den Wald gestalten.
Auf den Spuren von Goethe

Der Name passt so gar nicht zu dem sanften Hügel. Der 1142 Meter hohe Berg hat nichts Bedrohliches für Wandernovizen. Im Gegenteil: Auf der ganzen Strecke lugt immer wieder die Kuppe mit dem Sendemast und dem viereckigen Turm durch die Bäume. Wie beruhigend. Schritt um Schritt rückt das Ziel näher...

Rasten auf dem Weg zum Brocken

Der Goetheweg zum Gipfel macht es mir leicht. Er ist gut befestigt, breit und steigt nur langsam an. Kein Wunder also, dass die Strecke bei schönem Wetter und am Wochenende eine ganze Menge Ausflügler anzieht: Frauchen mit Hund in Tennisschuhen ebenso wie Familien mit Kinderwagen, Jogger und Mountainbiker. Das Gewimmel wird sich auf dem letzten Stück – der Brockenstraße – noch verstärken. Denn dort stoßen die Wanderer hinzu, die vom Ostharz gestartet sind.

Inzwischen bin ich am Quitschenberg. Rechts und links wucherndes Dickicht und umgekippte Baumriesen – hier sieht der Wald besonders wild aus. „In einem Nationalpark darf die Natur den Wald gestalten“, informiert ein Text auf einer Tafel. Nach einem heftigen Sturm und dem Befall durch Borkenkäfer schlagen hier Ebereschen – in Harzer Mundart Quitschen genannt – wieder Wurzeln. 

Touristen auf den Spuren von Goethe
Mountainbike fährt den Brocken hinunter

Mit Schnaufen und Schnauben kündigt sich Großes an – die Brockenbahn zieht an mir vorbei. Die Sonne bricht sich in den Dampfwolken, die in den tiefblauen Himmel steigen. Zwei Kilometer läuft die Zugstrecke parallel zum Goetheweg, und der Anblick der alten Lokomotive mutet bei diesem Wetter besonders märchenhaft an. Trotzdem, ich habe nicht das Bedürfnis, aufzuspringen und mich zum Gipfel fahren zu lassen. Lieber genieße ich die Bewegung an der frischen, würzigen Luft. 

Goethe
Den heutigen Goetheweg hat Johann Wolfgang von Goethe nie gesehen. Die Wanderroute wurde 1891 vom Harzklub als Weg befestigt und ausgebaut. Erst danach setzte sich der Name durch. Goethe war allerdings einmal gemeinsam mit Torfhaus-Förster Johann Christoph Degen auf dem Brocken. Welche Route sie nahmen, ist nicht bekannt. Die unberührte Natur hinterließ bei ihm aber einen nachhaltigen Eindruck. Sein Brocken-Erlebnis verarbeitete Goethe im Faust.
Die Brockenbahn im Harz
Mit 700 PS auf den Brocken – die Dampfrösser der Harzer Schmalspurbahn stampfen heftig schnaufend den Berg empor. Seit 1899 wird der 1125 Meter hohe Bahnhof angefahren und schenkt Zuggästen und Wanderern zauberhafte Aus- und Anblicke.

1000 Meter – ein Höhenschild weist darauf hin, dass ich mich auf der letzten Etappe befinde. Windböen zersausen das Haar. Der Wanderweg mündet in die asphaltierte Brockenstraße, die zu beiden Seiten von dicken Granitsteinen gesäumt ist. Nur noch wenige Tannen, der Geruch von Bratwurst und Erbsensuppe kündet von der Rückkehr in die Zivilisation. 

Echt.Niedersachsen Autorin auf dem Goetheweg
Ein Holzsteg führt am alten Abbegraben entlang. Der kleine Umweg lohnt sich, denn unsere Wandersfrau hat ihn fast für sich allein
Heine
„Auf die Berge will ich steigen, wo die dunklen Tannen ragen, Bäche rauschen, Vögel singen, und die stolzen Wolken jagen …“ So dichtete Heinrich Heine in seiner „Harzreise“. Dass er 1824 nach seiner Besteigung des Brockens in das Gipfelbuch schrieb: „Viele Steine, müde Beine, Aussicht keine, Heinrich Heine“ entspricht nicht der Wahrheit, sondern wurde ihm angedichtet. Und auch er nutzte – wie Goethe – nicht exakt die Route, die heute nach ihm benannt ist. 

Das kahl rasierte Gipfelplateau ist erreicht. Der mächtige Aussichtsturm, der rot-weiße Sendemast und die graue Wetterzentrale mit dem Betonvorplatz verströmen keine heimelige Atmosphäre. Aber: Ein Glücksgefühl überkommt mich, als ich die Aussicht entdecke. Wurmberg, Rabenklippe, Torfhaus – in weiter Ferne so nah! Drei Stunden hat der Aufstieg gedauert. Muskelkater in den Waden oder Atemnot? Fehlanzeige – der Goetheweg ist eine angenehme Tour.

Die kleine Hexe vom Wanderschild findet auf dem Brocken übrigens Gesellschaft. In der Nacht zum 1. Mai wird dort Walpurgis gefeiert. Dann fegen die Hexen mit dem Besen den letzten Schnee vom Gipfel – eine Einladung, um wiederzukommen und den Berg im Frühjahr zu erleben.  

 Baumsilhouetten zeichnen sich vor dem Abendhimmel auf dem Brocken

Tipps für Ihren Urlaub im Harz:

Der Berg Ruft – Brocken-Tour

Aufstiegsrouten
Vier Wege führen auf den Brocken:

  • Der Aufstieg ist möglich von Ilsenburg über den „Heinrich-Heine-Weg“ (12 km, 850 hm).
  • Schierke (kürzeste Route, 7 km, 500 hm).
  • Torfhaus über den „Goetheweg“ (8 km, 350 hm).
  • Bad Harzburg über „Teufelsstieg“ (13 km, 950 hm).

Auf dem Gipfel ist es deutlich kälter als im Tal, der erste Schnee fällt oft im September. Festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung sind zu empfehlen. 

In Torfhaus, am Startpunkt des Goethe-weges, lohnt sich der Besuch des Nationalpark Besucherzentrums

Skyrope-Hochseilpark

Wer seine Sinne im Skyrope Hochseilpark herausfordern und Grenzen ausloten möchte, hat von April bis Oktober die Gelegenheit:
Im kalten Tal, 38667 Bad Harzburg, Tel. 0 55 83/92 26 28

Baumwipfelpark

Direkt neben dem Hochseilpark liegt der Baumwipfelpfad, der 22 Meter über dem Boden verläuft und völlig neue Perspektiven eröffnet. An 33 Stationen können Besucher etwas über Wald, Natur und Kultur erfahren. 

Weitere Harz-Infos gibt es hier:

Harzer Tourismusverband e. V.

Marktstr. 45, 38640 Goslar
Tel. 0 53 21/3 40 40

Credits

Text: Sabine Hildebrandt 
Fotos: Philipp von Ditfurth

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