Goldenstedter-Moor-Schaper
14. März 2019

Goldenstedt: Mystisches Moor

In unserer Reihe "Unglaublich, aber echt" wird es heute im Landkreis Vechta echt mystisch! Denn seit Urzeiten ranken sich Legenden von Irrlichtern und grausigen Opferritualen um das Goldenstedter Moor in Niedersachsens Nordwesten.

Alles auf einen Blick

Goldenstedter Moor (Goldenstedt)

Landkreis: Vechta

Einwohner: 9.900

Goldenstedter Moor am Morgen
Morgennebel über der Moorbahn im Goldenstedter Moor.

Wabernde Nebelschwaden und unheimliche Baumgerippe

Der Boden schwankt unter den Füßen, jeden Schritt begleitet ein schmatzendes Geräusch. Wasser durchnässt die Schuhe und quillt heraus aus dem moosigen Untergrund, der sich vollgesogen hat wie ein Schwamm. Das Moor hat etwas Unheimliches, wenn wabernde Nebelschwaden aufsteigen, Baumgerippe drohend aus schwarzen Wasserflächen herausragen – besonders in der magischen Stunde zwischen Tag und Nacht.

Goldenstedter Moor
Seit der Frühzeit umweht die Goldenstedter Moore ein Hauch von Düsternis.

Die wandernden Seelen der Moorleichen

Seit der Frühzeit umwehte die Moore des Nordwestens – nicht zu Unrecht – der Dunst von Düsternis und Schrecken. Noch heute kursieren die Legenden von Irrlichtern, die über die morastigen Flächen huschen. Kleine Flammen, angeblich die wandernden Seelen Verstorbener. Sie führen diejenigen in die Irre, die hier nachts noch unterwegs sind.

Vielleicht auch die berühmteste Moorleiche, Jan Spieker? Er war ein Handelsreisender, der eines Nachts zu Beginn des 19. Jahrhundert im Goldenstedter Moor den Tod fand  – und seine letzte Ruhestätte. Dank historischer Aufzeichnungen ist er eine der wenigen Moorleichen auf der Welt, deren Identität bekannt ist. Besucher können heute im unterirdischen Moortunnel des Goldenstedter Moores Reste seiner Kleidung besichtigen. Viele andere, bis heute anonyme Moorleichen, starben hingegen in Opferritualen, manche von ihnen grausig verstümmelt.

Goldenstedter Moor
Die wiedervernässten Flächen im Goldenstedter Moor sind heute ein Vogelparadies.

Ort alles verschlingender, ewiger Nässe

„Oh schaurig ist´s, übers Moor zu gehen“, fand schon Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Und der römische Geschichtsschreiber Tacitus nannte die Sümpfe des Nordens gar widerwärtig und schrieb von dem Brauch, dass die Germanen Feiglinge im Moor versenkten.

In der Frühzeit gingen die Menschen nur in diesen Lebensraum, wenn man es nicht vermeiden konnte. Um das „Große Moor“, das sich hier einst fast über den gesamten Nordwesten Niedersachsens erstreckte, ranken sich viele Geschichten. Ein Ort alles verschlingender, ewiger Nässe, der nicht einmal die sterblichen Hüllen der Toten freigeben will.

Goldenstedter Moor
Die Stimmung im Goldenstedter Moor ist in den Stunden zwischen Tag und Nacht besonders geheimnisvoll.

Mystisch, aber auf eine wunderschöne Art

Aber es gibt auch die andere Seite dieser Landschaft: Wenn etwa die aufgehende Morgensonne dem Namen des Goldenstedter Moores alle Ehre macht und die Wasserflächen mit goldenem Licht überhaucht. Wenn im Frühjahr und Herbst die Kraniche aus hunderten Kehlen trompeten. Wenn die hauchzarten Büschel des Wollgrases im Wind wehen. Wenn Kreuzspinnen ihre Radnetze weben, auf denen Tautropfen wie Edelsteine glitzern. Und wenn im Frühjahr das Blubb, Blubb der Moorfrösche erklingt und die Männchen im Liebes-Hormonstau plötzlich ganz blau werden. Dann ist das Moor nicht weniger mystisch, aber auf eine wunderschöne Art.

Wollgras im Goldenstedter Moor
Goldenstedter Moor
Goldenstedter Moor
Goldenstedter Moor
Schnell gelesen: Das Goldenstedter Moor

Das Goldenstedter Moor steht unter Naturschutz und liegt zwischen Vechta und Barnstorf. Noch heute lassen sich im unterirdischen Moortunnel Reste der Kleidung von Jan Spieker besichtigen. Auch die Moorbahn, mit der man durch die Landschaft zuckeln kann, ist nach ihm benannt.

Naturschutz Informationszentrum NIZ Goldenstedt

Haus im Moor

Arkeburger Straße 22

49424 Goldenstedt

Telefon: 04444 / 2694

Credits

Text und Fotos: Iris Schaper

 

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