Seifenkiste Rennen Brome
13. Juli 2018

Gib Gummi - Seifenkistenrennen in Brome

Einmal im Jahr geraten Kinder, Erwachsene, ja sogar Politiker auf die schiefe Bahn: Beim großen Seifenkisten-Rennen von Brome.

Alles auf einen Blick

Brome

Landkreis: Gifhorn
Einwohner: 3.181
Erstmals urkundlich 
erwähnt: 1.203

Es wird ein heißes Rennen, so viel steht fest. Denn kaum ein Wölkchen hindert die Augustsonne daran, ihren Scheinwerfer an diesem Samstagnachmittag auf einen abschüssigen Feldweg im kleinen Brome, Landkreis Gifhorn, zu richten. Auch wenn manchem Fahrer deshalb schon vor dem Start die Schweißperlen auf der Stirn stehen – die kunterbunten Seifenkisten, die hier gleich den Hang hinuntersausen, haben das schöne Wetter mehr als verdient. 

Der große Preis von Brome
WIR KOMMEN! Team „Banana“ kurz vorm Ziel.
Seifenkistenrennen der große Preis von Brome

In Reih und Glied: Die Vehikel „Nacht & Nebel“, „Punisher“ und „Hoerby“, mit dem die Landtagsabgeordnete Ingrid Klopp gefahren ist.

Der große Preis von Brome Seifenkistenrennen

Stimmzettel-Abgabe beim „Großen Rennen von Brome“. In einer Kategorie geht es auch darum, welches Team die originellste und schönste Seifenkiste gebaut hat.

Beim „Großen Preis von Brome“ wird die schnellste und die schönste Seifenkiste prämiert. 

Beim Seifenkistenbau zählt Geschick und Kreativität

„Das Ganze ist aus einer Schnapsidee heraus entstanden“, erzählt Stephan Lüthe, Hauptmann der Bromer Jungschützen, die das Seifenkistenrennen 2010 ins Leben gerufen haben. „Inzwischen ist das neben dem Maibaum-Aufstellen einer unserer Höhepunkte im Dorfleben.“ Mehrere Hundert Zuschauer kämen jedes Jahr zu den Rennen, die Organisation sei immer aufwendiger geworden. „Im ersten Jahr hatten wir nur Strohballen als Absperrung, danach auch Flatterband, damit niemand über die Strecke läuft. Die Bier- und Bratwurstbuden wurden mehr, und für die Kinder haben wir irgendwann eine Hüpfburg aufgestellt.“
Flying Hirsch Seifenkiste Brome
Lina und Jonas Melzian: „Mehr als 30 Arbeitstage haben wir da reingesteckt und aus einem 15 Jahre alten Kettcar den Hirschen hier zusammengebaut.“

Damit sie keinen Eintritt nehmen müssen, sammeln die Jungschützen Sponsorengelder. Also gibt es auf der Strecke Banner – Werbung für eine Bromer Apotheke, die Volksbank oder den örtlichen Heizungstechniker. Inzwischen sind alle 12 Teams eingetroffen.

Jung und Alt zusammenbringen, auch aus den umliegenden Dörfern – für Organisator Stephan Lüthe liegt darin der tiefere Sinn der Gaudi. „Früher verlief genau hier der Grenzstreifen, trennte Ost und West. Heute können wir alle gemeinsam etwas erleben.“ Um Neulingen möglichst wenig Hürden in den Weg zu legen, habe man neben der Junior- und der Rennklasse einen dritten Wettbewerb geschaffen: Die offene Spaßklasse. „Da ist beim Bau der Seifenkiste kein strenges Regelwerk einzuhalten. Wir prüfen nur Bremse und Lenkung, die müssen funktionieren.“

Früher verlief hier die Grenze zwischen Ost und West. – Organisator Stephan Lüthe –

Nachdem ein Quad alle Seifenkisten auf den Start-Hügel gezogen hat, geht’s los. Für Schwung sorgt die stark geneigte Laderampe eines Autotransporters. Die motorlosen Rennwagen rollen los, sobald der Fahrer sitzt und ein Teamkollege die Blockade löst – was nichts anderes heißt, als dass er seinen Fuß unter dem Vorderreifen wegzieht. „Flying Hirsch“, „Punisher“, „Wolkenstürmer“ – oder eine kanuförmige Kiste mit dem grün-weißen Emblem des Vfl Wolfsburg: Sie alle sausen nun nacheinander die 600 Meter lange Strecke hinab, angefeuert von den Zuschauern – im Ziel wird die Zeit gemessen. 

Seifenkistenrennen Brome
Seifenkistenrennen in Brome
Die Kinder tragen Helme, die Erwachsenen meist nicht, was im Fall der Bromer Landtagsabgeordneten Ingrid Klopp zu bangen Gesichtern im Publikum führt. Denn die CDU-Politikerin – das erste Mal dabei – gerät mit ihrem schicken „Hoerby“ anfangs gewaltig ins Schlingern. Mit Zickzackkurs verliert man in der Politik gewöhnlich Wähler – hier vor allem wertvolle Sekunden. 

Die SPD war mit ihrem „Racing Team“ schon öfter dabei. Auch wenn die Sozialdemokraten in der Spaßklasse einen beachtlichen dritten Platz erreichen, kann kein politisches Anliegen konkurrieren mit dem, was sich Patrick Herud und sein Sohn Mick einfallen lassen haben. Der Vater, Testfahrer für VW, erscheint in perfekter „Minion“-Verkleidung, mit blauer Latzhose, gelbem T-Shirt und einer alten Schweißerbrille. Der 44-Jährige zwängt sich in seine bananenförmige Kiste und rast liegend den Hang hinunter, einen Schweif aus rotem Pyro-Rauch hinter sich herziehend. Noch spektakulärer ist der Auftritt seines elfjährigen Sohnes. Der steigt in Badehose in eine mit Wasser gefüllte Zink-Badewanne und schießt damit nach nur 55 Sekunden durchs Ziel: 1. Platz in der Juniorklasse!

Seifenkistenrennen in Brome Wolkenstürmer
Seifenkistenrennen in Brome
Bei der anschließenden Siegerehrung – das Podest steht übrigens auf einem Treckeranhänger – darf die Champagnerdusche natürlich nicht fehlen: Mit „Rotkäppchen“-Sekt für die Großen und Fruchtnektar „Robby Bubble“ für die Kleinen. Auch „Wolkenstürmer“-Pilot Marius lässt sich tüchtig feiern. Denn keine andere Seifenkiste fand das Publikum so gelungen wie den Doppeldecker des Konstrukteursteams „Opa und Opa“.
Der nächste „Große Preis von Brome“ findet am 25. August 2018 statt. Im letzten Jahr betrug die Startgebühr 10 Euro. Wer mitmachen möchte, sollte sich spätestens drei Wochen vorher bei den Bromer Jungschützen anmelden (jungschützen-seifenkistenrennen@gmx.de).
Seifenkistenrennen Brome
Credits

Text: Uwe Rasche
Fotos: Philipp von Ditfurth

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