Frau-Fenster-Fasten
26. Februar 2019

10 Fasten-Tipps: Verzicht tut gut!

Fasten wird in unterschiedlichster Form seit Jahrtausenden praktiziert. Und der zeitweise Verzicht tut richtig gut. Dabei muss es nicht immer ums Essen gehen – fastet am besten das, was richtig weh tut.

Die Hand in der Chipstüte, die Augen auf dem Tablet, im Hintergrund läuft der Fernseher. Und dann die Frage per WhatsApp: Wollen wir uns treffen? Ne, keine Zeit, bin unterwegs – die Notlüge ist schnell raus, schließlich warten das Sofa und der Lieblingsfilm. Jetzt mal ganz ehrlich: Wem von uns geht das nicht mal so? Ist ja auch nichts Dramatisches. Aber: können wir eigentlich auch ohne? Ohne ungesunde Snacks, ohne soziale Medien, ohne Fernseher, ohne Notlügen?

Die richtige Zeit, sich selbst auf die Probe zu stellen, sind die sieben Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostern. Die Fastenzeit hat ihre Ursprünge in der Religion: 40 Tage lang – mit Ausnahme der Sonntage - soll gefastet werden, um an das Leiden und Sterben Jesu zu erinnern. Seit rund 30 Jahren ruft die evangelische Kirche mit ihrer Aktion „7 Wochen ohne“ in der Passionszeit zum Verzicht auf: „Sieben Wochen lang die Routine des Alltags hinterfragen, eine neue Perspektive einnehmen, entdecken, worauf es ankommt im Leben“. Doch auch losgelöst von religiösen Motiven finden wir, dass die Zeit, in der der Frühling kommt und das Jahr noch so frisch ist, genau richtig ist, um mal die Perspektive zu ändern und ganz genau auf sich selbst zu achten.

Für Euch haben wir einige Anregungen, an welcher Stelle Verzicht in unserer Überflussgesellschaft gut tun kann.

1. Ohne Fernsehen (und Netflix, Amazon Prime Video und, und, und)

Fernsehen

Klar, der Verzicht aufs Fernsehen ist ein Klassiker. Aber: Wie oft habt ihr euch schon über euch selbst geärgert, weil ihr stundenlang durch schlechtes Programm gezappt habt und so viel wertvolle Zeit vertan habt? Mal tut das Rumlümmeln auf der Couch ohne Plan gut, oft macht es aber ein ganz schlechtes Gefühl. Also versucht doch mal, bis Ostern den Fernseher aus zu lassen. Stattdessen ein gutes Buch oder eine (Online)-Zeitschrift lesen, Musik hören, in die Badewanne gehen, ein Fotobuch gestalten, mit Partner oder Freunden ganz bewusst reden – oder einfach mal früh ins Bett gehen.

2. Ohne verzichtbaren Konsum

Shoppen

Oh, cooles Shirt im Schaufenster oder in der App. Niedlicher Bilderrahmen, tolles Buch: Konsumieren geht so schnell und für viele von uns ist es auch problemlos möglich, mal eben einige Euro für etwas zu zahlen, was wir nicht brauchen, aber schön finden. Dadurch ergibt sich ein ganz schönes Sammelsurium an Sachen. Deko, die dann doch nicht passt, das Shirt ist nicht so ganz das Richtige und das Buch verstaubt nach dem Lesen im Regal. Wie wäre es mal, 7 Wochen lang nur das zu kaufen, was wirklich notwendig ist? Also Lebensmittel, Grund-Pflegeprodukte, Benzin und so weiter. Bücher können in der Bücherei geliehen werden, das Shirt mal mit einer Freundin getauscht werden. Das spart Geld, Platz – und ist vielleicht die Grundlage für bewussteren Konsum.

3. Ohne Make-Up

Make Up

Ganz ehrlich, ohne Mascara und Puder aus dem Haus zu gehen ist für viele Frauen keine schöne Vorstellung. Sie fühlen sich damit einfach besser. Aber einen Versuch ist es doch wert, mal zu sehen, wie es sich ganz ohne Schminke lebt? Auf Instagram gibt es unter dem #NoMakeUp mehr als 17 Millionen Beiträge – ganz allein ist man mit dem Versuch also nicht.

4. Ohne bestimmte Lebensmittel

Zucker

Ganz ohne Zucker, ohne Fleisch oder ohne importierte Lebensmittel – geht das? Es gehört jedenfalls ein ganz schönes Umdenken dazu, auf bestimmte Lebensmittel ganz zu verzichten. Die Fastenzeit ist eine ideale Gelegenheit, Ernährungsweisen, die euch faszinieren oder vor denen ihr hohen Respekt habt, mal auszuprobieren – um nach Ostern zu urteilen, ob eine langfristige Umstellung realistisch ist.

5. Ohne Soziale Medien

Smartphone

Den totalen Verzicht auf Smartphone und PC wollen wir gar nicht propagieren. Schließlich sind die allein schon für viele Arbeitsstellen notwendig, bei vielen Grundlage für die tägliche Zeitungslektüre und beinahe unverzichtbar, um Verabredungen zu treffen – es hat nicht mehr jeder ein Festnetz-Telefon. Aber wie viel überflüssige Zeit wir an den Geräten hängen, wissen wir alle. Deshalb wäre ein Fasten von Sozialen Medien ein guter Schritt zur Besserung. Kein Facebook, Instagram, Pinterest und Co. Wir glauben, es wird ziemlich überraschend sein, wie viel mehr Stunden der Tag plötzlich zu haben scheint.

6. Ohne Fluchen

Fluchen

Wahrscheinlich fällt es einem spätestens dann auf, wenn Kinder in der Nähe sind: wie viele Schimpfworte wir im Alltag benutzen. Zum Beispiel beim Autofahren, wenn dann plötzlich von hinten die Frage kommt: „Mama, wer ist eigentlich Spasti?“ - „Basti, mein Kind. Basti!“. Um auf Schimpfworte ganz zu verzichten, ist viel Selbstkontrolle notwendig, schließlich kommen uns die schnell von den Lippen. Wir sind uns nur noch nicht ganz sicher, ob auf plattdeutsches Fluchen auch verzichtet werden sollte. Schiete ist eben viel charmanter als die hochdeutsche Version.

7. Ohne Lärm

Arbeiten am PC

Morgens dudelt der Radiowecker schon zum Wecken, bei der Arbeit laufen Maschinen oder klingeln Telefone, die Kollegen reden, im Kaufhaus laufen fast ohrenbetäubend laut Musik und Werbung, später surrt dann die Waschmaschine und die Kinder sabbeln ununterbrochen. Und wenn abends Ruhe einkehrt, schalten wir Fernseher oder Musik an. Bewusst auf Lärm zu verzichten kann eine Wohltat sein. Statt also immer das Radio oder den Fernseher im Hintergrund laufen zu lassen, mal ganz bewusst gar keinen Lärm produzieren. Stattdessen mit offenen Ohren durchs Feld laufen – vielleicht singen schon wieder die ersten Vögel? Der Wind rauscht in den Bäumen, in der Ferne bellt ein Hund – diese Geräusche tun gut.

8. Ohne Hektik

Menschen

Klar, das ist leicht gesagt – und ganz schwer umzusetzen. Wie oft verfallen wir schon morgens in Hektik, weil wir zehn Minuten zu lange geschlafen haben und der Zeitplan für den ganzen Tag ins Wanken gerät? An Werktagen können wir nur an wenigen Schrauben drehen – bei der Arbeit müssen wir zu einer bestimmten Zeit sein, die Kinder sollen pünktlich in Schule und Kita sein und der Zahnarzttermin sollte auch nicht einfach zu spät angetreten werden. Aber: die Dinge, die „noch mal schnell“ dazwischen geschoben werden, können überdacht werden. Noch mal schnell in den Supermarkt springen, noch mal schnell das Bad putzen – all das bringt uns in Hektik und Zeitnot.

In den kommenden Wochen können wir versuchen, eigene Zeiten für das einzuplanen, was wir sonst zwischendurch erledigen. An den Sonntagen – auch wenn das im Christentum die fastenfreien Tage sind – können wir dann wirklich Hektik fasten und den Tag fließen lassen. Ohne Pläne, ohne Zeitdruck, ohne Verabredungen. Einfach nur machen, wonach der Sinn steht. Und unter der Woche kann der Wecker mal zehn Minuten früher klingeln – ein Kaffee oder Tee ganz in Ruhe am Küchentisch, dazu eine Kerze anzünden: Diese Zeit ist oft wertvoller als das noch einmal Herumdrehen im Bett.

9. Ohne Lügen

Frau hält gekreuzte Finger hinter dem Rücken

Lange hielt sich die Aussage, dass ein Mensch durchschnittlich 200 Mal am Tag lügt. Diese Zahl ist wohl etwas hochgegriffen. Unterschiedliche Studien geben Bandbreiten von zweimal am Tag bis zu dreimal in zehn Minuten an. Ganz genau feststellen, wie oft am Tag geflunkert wird, lässt sich nicht. Fakt ist aber: Jeder von uns lügt mal. Kleine Notlüge („da habe ich leider keine Zeit“) oder ganz bewusstes Täuschen mit schwerwiegenden Folgen – die Unterschiede sind gewaltig.

Lüge aber ist Lüge. Gerade bei den Notlügen ist es oft die Bequemlichkeit, die dazu führt, dass nicht die Wahrheit gesagt wird. Sieben Wochen nur die Wahrheit sagen – das erfordert Mut. Für das Zuspätkommen den wahren Grund angeben und nicht von Stau oder ausgefallenem Bus reden, das geht ja noch. Schwierig wird, wenn es um Beziehungen geht. Zum Beispiel eine Einladung ausschlagen mit der Begründung: Mir macht es keinen Spaß, in dieser Runde dabei zu sein – das tut mir nicht gut. Das kann natürlich für das Gegenüber verletzend sein, vielleicht wird aber auch langfristig etwas bewirkt. Entweder, eine neue Art der Beziehung – oder das Ruhen lassen. Zukünftige Notlügen sind dann auch nicht mehr notwendig.

Plastikmüll

10. Ohne Plastik

Plastik zu reduzieren, das ist gerade ein ganz großes Thema. Die EU hat ein Verbot für Einweg-Plastikgeschirr und Strohhalme auf den Weg gebracht, und auch wir haben vor einigen Wochen schon mal Tipps gegeben, wie im Alltag auf Plastik verzichtet werden kann, hier geht es zum Beitrag Tschüß, Plastik! Wer sich noch nicht den Ruck gegeben hat, im Alltag überflüssigen Müll zu vermeiden, kann in der Fastenzeit versuchen, auf Plastik zu verzichten – ganz oder wenigstens zum Teil. Einkaufsbeutel, Körbe und wiederverwendbare Netze sind beim Großeinkauf die wichtigsten Utensilien. An der Kasse unbedingt auf Überraschungsei und sonstiges Gedöns für Kinder verzichten (die kleinen Spielzeuge landen nach einer Stunde meist eh in irgendeiner Ecke), statt dessen kann der Euro aus dem Einkaufswagen in die Spardose wandern. Die nächste Aufgabe für die kommenden Wochen: Wirklich keinen Kaffee to-go kaufen, im Laden auf die Tüte verzichten – kleine Maßnahmen, große Wirkung.

Credits

Text: Charlotte Wolframm

Fotos: AdobeStock

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