HURRICANE
8. Juni 2018

Der Sturm zieht auf – Hurricane Festival in Scheeßel

Alljährlich im Juni wird das kleine Städtchen in der Nordheide gerockt – dann feiern Zigtausende zur Musik ihrer Lieblingsbands. Und zwar auf dem Hurricane Festival. Unser Autor ist Fan der ersten Stunde und schaute sich diesmal schon ein paar Tage vorher um.

Alles auf einen Blick

Scheeßel

Landkreis: Rotenburg
(Wümme)
Einwohner: 12.976 
Erstmals urkundlich 
erwähnt: 805 

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Auf den Straßen sind nur wenige Autos unterwegs, ein paar Kinder spielen in den Vorgärten, und auf dem Sportplatz ist auch nicht viel los. Nichts deutet auf das Spektakel hin, das sich hier bald ereignen wird. Denn wenn die Stars aus Rock und Pop zum Hurricane Festival bitten, fallen an die 70.000 Fans in den kleinen Ort im Landkreis Rotenburg ein.

Die heutige Ruhe mag am Schützenfest liegen, das am Tag zuvor gefeiert wurde. Aber auch an der Gelassenheit der Menschen, die hier wohnen. Sie wissen, was auf sie zukommt. Schließlich findet das kultige Musik-Festival schon seit 1997 statt, auch wenn damals noch alles eine Nummer kleiner war.

20.000 Fans kamen anfangs auf das Gelände am Eichenring. Es gab zwei Bühnen, viel Freiraum – und wer spät dran war, konnte seine Lieblingsband trotzdem noch ganz aus der Nähe erleben. Heute stellen Fans sich manchmal schon viele Stunden früher an, um in den begehrten, extra abgesperrten Innenraum direkt vor den Bühnen zu gelangen. Von denen stehen inzwischen vier auf dem über die Jahre stark vergrößerten Areal. Und auf den Freiflächen von damals gibt’s jetzt ein Riesenrad und eine Shopping-Meile. Heute ist das Festival ein Event, ein modernes Wochenend-Abenteuer all-inclusive.

Viele Besucher verirren sich kein einziges Mal in die Innenstadt: „Schade, sonst wäre hier endlich auch mal was los“, findet Mosi – ein cooler Typ, der heute lässig sein nagelneues Quad durch den Ort spazieren führt. „Die meisten Besucher bleiben zwar auf dem Festivalgelände oder Campingplatz, aber für die Kids von hier ist die Veranstaltung echt super.“ Die würden sich nämlich über das Leergut freuen und damit Geld verdienen, den Leuten das Gepäck vom Bahnhof zum Zeltplatz zu fahren.

Die Kinder machen ihre Bollerwagen und Fahrräder schon eine Woche vor dem Hurricane betriebsbereit.

Hauke ist eines dieser Kinder. Der Zwölfjährige transportiert die Zelte, Taschen und Bierkisten auf dem Anhänger seines „Dino Cars“: „Ich bekomme zehn Euro pro Fahrt“, erzählt er stolz. Eine Fahrt dauert rund 20 Minuten, und Hauke rechnet mit großer Nachfrage. Was er sich von dem Geld kaufen möchte, wisse er aber jetzt noch nicht. Sein Vater schmunzelt: „Meist wird es Lego.“

Auch Timm Bellmann freut sich auf das Festival. „Die Leute sind alle echt entspannt, und mit dem Veranstalter läuft auch alles gut.“ Als wir ihn treffen, sitzt er gerade auf seinem Traktor. Aus seiner Wiese wird nämlich ein Campingplatz, und vorher muss gründlich gemäht werden. „Klar, zum Festival geh ich dann auch“, sagt er. Für ihn sind vier Freitickets für die Bereitstellung seines Landes drin.

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Andere haben es nicht so gut. „Es wäre klasse, wenn es für alle Einheimischen Freikarten gäbe“, findet zum Beispiel Marika Behrens. „Aber sonst ist es super. Die Leute sind alle total nett.“ Die Bäckerei-Verkäuferin hat schon viele „Stürme“ erlebt. „Bei uns gibt’s ‚Hurricane-Frühstück‘: Brötchen und Kaffee zum Sonderpreis.“ Nur zwei Dinge stören sie: „Mit dem Hurricane kommt meistens auch der Regen. Und der Stau ist auch nervig.“

Eine Woche später. Der Regen ist da, der Stau auch. Auch wenn sich das Festival mit der Zeit verändert hat, hat es sich doch seinen Charme bewahrt und gehört zu Deutschlands schönsten Open-Air-Events – und zu den grünsten. Sehr viel Wert wird auf Umweltschutz gelegt. Es gibt etwa „Grüner Wohnen“, einen Bereich auf dem Campingplatz, der es Besuchern ermöglicht, sauber und ruhig zu übernachten. Hier stehen Pfandautomaten, es gibt einen rund um die Uhr bewachten Fahrradstellplatz, die sogenannte „Fahrradgarderobe“, sowie Recycling-Stationen, an denen man seine unverbrauchten Konservendosen an die örtlichen Tafel-Organisationen spenden kann.

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Infos

Line-Up sowie nützliche Infos findet ihr beim Veranstalter FKP Scorpio und hier:

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Gut zu wissen:

Ich packe meinen Rucksack

Was die Besucher neben Zelten, Gummistiefeln und guter Laune noch mitbringen? Die Top Five der wichtigsten Hurricane-Utensilien:

  1. Ohropax
  2. Taschenlampe
  3. Kopfkissen
  4. Halstabletten
  5. Ein zweites Smartphone.

Wo soll ich schlafen?

Zelten ist nicht jedermanns Sache, zum Glück gibt es Alternativen. Die einfachste Alternative ist das Pendeln mit dem Zug. In unter einer Stunde ist man am Abend wieder in Hamburg oder Bremen.

Tipp: Fahrrad mitnehmen, in fünf Minuten vom Bahnhof zum Gelände radeln und es bei der „Fahrradgarderobe“ parken. 

Wer lieber in der Nähe bleibt, bucht sich ein Hotelzimmer in Scheeßel oder erkundigt sich nach privaten Unterkünften (Infos unter www.scheessel.de). Aber Achtung, die Zimmer sind heiß begehrt, viele buchen schon ein Jahr im Voraus.

Credits

Text: Mathias Frank
Fotos: Philipp von Ditfurth

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