Anne-Kathrin-Siepert-Salzgitter-Huhn
12. April 2019

Wenn Hühnerliebe knallbunt ist

Ach, du dickes Ei! Anne-Kathrin Siepert aus Salzgitter hat ein ausgefallenes Hobby. Sie hält und züchtet Buntleger-Hühner, die farbige Eier legen. Dabei kreuzt sie Rassen, immer auf der Suche nach der schönsten Eierfarbe.

Alles auf einen Blick

Salzgitter

kreisfreie Stadt

Einwohner: 105.000

Jenny, Ashley und Pina picken um die Wette

Aufregung im Hühnerstall, es ist Fütterungszeit! Die Körner fliegen. Jenny, Ashley und Pina rennen mit ihren Freundinnen laut gackernd um die Wette. Es wird fleißig gescharrt und hastig auch das letzte Korn aufgepickt. Blaue Blumen dekorieren den Auslauf und eine funkelnde Lichterkette sorgt für sanftes Licht im Stall - und richtig, die Hühner haben Namen. Denn sie sind etwas Besonderes: Sie legen nicht nur bunte Eier. Sie sind auch der ganze Stolz ihrer Halterin. Etwa zwanzig Buntleger tummeln sich um die Beine von Anne-Kathrin Siepert aus Salzgitter.

Bunt legende Hühner im Auslauf
Anne-Kathrin Siepert aus Salzgitter liebt bunte Eier. Ihre Buntleger fressen ihr aus der Hand.

Alle Farben im Nest

Dabei hatte es vor Jahren ganz harmlos begonnen. „In dieser schattigen Ecke des Gartens wären Pflanzen nichts geworden, da habe ich mit der Hühnerhaltung angefangen“, erklärt Anne-Kathrin. Die pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte hat im Internet dann die schokoladenfarbigen Eier der Marans, einer französischen Hühnerrasse, entdeckt und war begeistert. Schnell zogen ihre ersten eigenen Maranshennen ein. Doch statt einem satten Dunkelbraun hatten die Eier, die da jetzt im Nest lagen, nur eine hellbraune Farbe. „Ich war so enttäuscht“, erzählt Anne-Kathrin. Daraufhin recherchierte sie und fand noch mehr Hühnerrassen und deren Kreuzungen, die farbige Eier legen. So packte sie der Ehrgeiz. Ob dunkelbraun, blau, grün, olivfarbend, rosa oder weiß, sie wollte irgendwann alle diese Farben auch in ihren Nestern finden.

Binte Eier im Nest

Ganz natürlich gefärbt: Hühner legen auch grüne, blaue und dunkelbraune Eier.

Hühner statt Handtaschen

Die Garage wurde von Anne-Kathrin kurzerhand zum Hühnerheim umgebaut, unbemerkt von ihrem Mann. Sie holte sich Hennen, „echte“ französiche Marans, und auch Tiere von den Rassen Cream Legbar und Araucana, die grün-bläuliche Eier legen, und Leghorn Exchequer.

„Die legen zwar nur weiß, sehen aber durch ihre schwarz-weißen Tupfen einfach schön aus.“ Oft fuhr sie nur zum Schauen auf Geflügelmärkte, aber schaffte es meist nicht, ohne ein neues Huhn wiederzukommen. Ihre Familie nimmt ihr außergewöhnliches Hobby gelassen. Statt Schuhe und Handtaschen, bekam sie schon eine Brutmaschine und einen Futterautomaten geschenkt. Außerdem freuen sich ihr Mann und ihre Tochter auch, wenn wieder ein Ei in einer besonders schönen Farbe im Korb liegt.

Hühner
Die Lege-Ladies: Grünlegerin Olivia (links) mit der Königsbergerhenne Katharina und einer dunklen Maranshenne.
Hühnerküken
Der hoffnungsvolle Nachwuchs: Die kleinen Cream Legbar Küken (vorne) und Küken von Leghorn Exchequer (hinten).

Eiertausch

Damit die Eier tatsächlich schön bunt sind, kreuzt Anne-Kathrin Siepert die Tiere, um eine bestimmte Eierfarbe zu bekommen. „Kreuzt man Schokoleger mit Grünlegern, also Marans mit Araucana, werden die Nachkommen olivfarbene Eier legen“, erklärt sie, „dabei ist es wichtig, dass die Elterntiere reinrassig sind, um bei den Eierfarben der Nachkommen keine Überraschung zu haben.“ Die Olivleger können dann mit Hühnern verpaart werden, die eine andere Farbe legen, um andere Eierfarben, wie hellblau oder hellgrün, zu bekommen. „Sogar Sprenkelungen auf dem Ei vererben sich“, erzählt sie strahlend.

Ihre Begeisterung für Hühner zeigt sich auch im Haus. Kleine Hühnerfiguren und –motive lassen sich fast überall finden. Wenn es einem der echten Hühner mal schlecht geht, fährt Anne-Kathrin es selbstverständlich zum Tierarzt und überschüssige Tiere werden verkauft, denn „gegessen wird hier keiner“, sagt sie. Die Eier allerdings schon: Ihre besonderen Farben und der gute Geschmack, haben sich in der Nachbarschaft schon rumgesprochen. Viele bekommen wöchentlich von ihr Eier, gegen eine kleine Futterspende mache sie das gerne. Gerade wenn die Hühner so gut legen, wie jetzt mit etwa zwanzig Eiern am Tag. Anne-Kathrin hat sogar schon Eier nach München geschickt – und hat Weißwurst zurückbekommen.

Der Andrang nimmt vor allem vor Ostern deutlich zu, berichtet sie. Dann wollen alle die bunten Eier haben. Allerdings kann sie Wünsche, wie fünfzig Eier zu Ostern, nicht erfüllen, denn sie veteilt die besonderen Eier gerecht unter den Interessenten.

Anne-Kathrin Siepert aus Salzgitter mit einem Huhn
Hühner sind ihr Hobby: Anne-Kathrin Siepert mit ihrem Lieblingshuhn Ashley. Sonntags steht sie lieber in Gummistiefeln draußen, anstatt auf dem Sofa zu liegen.
Credits

Text und Fotos: Madeline Düwert

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