Stadtgärtner_beim_Pflanzen_Aufmacher
18. April 2018

Blumenjungs aus Nordhorn

Die Stadtgärtner aus Nordhorn

Grün statt grau: Weil den drei Landeiern Jan, Torge und Derk viele Städte einfach zu trist waren, gründeten sie „Die Stadtgärtner“. In Nordhorn rollen sie Samenbomben, die Beete ganz unkompliziert - mit einem Wurf - blumig explodieren lassen.

Alles auf einen Blick

Nordhorn

Landkreis: Grafschaft Bentheim
Einwohner: 53.300
Erstmals urkundlich 
erwähnt: 900

Wer von seiner grünen Heimat auf dem Land in eine Großstadt zieht, dem kommt der neue Wohnort manchmal vielleicht etwas trist und grau vor. So ging es auch Derk Niemeijer, als er von Nordhorn im Landkreis Grafschaft Bentheim nach Hamburg zog. Mit einer Idee sollte sich das zumindest in einem kleinen Teil der Stadt ändern: Niemeijer fing an, selbst sogenannte Samenbomben herzustellen. Diese kleinen Kugeln bestehen aus Erde, Ton und etwas Saatgut.

Seedbombs für blühende Städte

Zur „Aussaat“ wird die Samenbombe einfach ins Beet geworfen – nach dem nächsten Regenschauer oder Wasser aus der Gießkanne beginnen die Samen von Ringelblumen, Gänseblümchen und anderen Farbwundern zu keimen. Zum Einsatz kommen vor allem einjährige Pflanzen, die schon im ersten Jahr blühen und sich selbst wieder aussamen. Während Derk Niemeijer zunächst nur aus Freude an bunten und blühenden Flächen mit Blumen eifrig rollte, interessierten sich bald auch immer mehr Freunde und Bekannte für seine Samenbomben. Bei stetig steigender Nachfrage fraß die Produktion schließlich mehr und mehr Zeit und auch Geld. Niemeijer entschloss sich, gemeinsam mit Torge Kahl und seinem Großcousin Jan Niemeijer ein eigenes Unternehmen zu gründen – das war 2011.

Seebombs rollen für blühende Städte
Seedbombs für blühende Städte.
Gerade das Rollen ist sehr anstrengend. – Torge Kahl –

"Die Stadtgärtner" heißt die Firma der drei Männer. „Anfangs wurde unsere Ware dort nur abgepackt, mittlerweile wird sie auch von dort versandt“, erzählt Torge Kahl, der sich um den Vertrieb kümmert. Versand, Logistik und Produktion liegen in den Händen von Jan Niemeijer. Derk Niemeijer ist vor allem für die Produktentwicklung und die Unternehmensstrategie verantwortlich.

 

Die Stadtgärtner Torge, Jan und Derk.

Gute grüne Laune - dass Derk und Jan Niemeijer sowie Torge Kahl (v. li.) ihre Arbeit lieben, ist nicht zu übersehen.

Samenbomben aus Nordhorn.

Neben den Samenbomben hat das Nordhorner Unternehmen mittlerweile noch weitere Produkte im Angebot: So finden sich unter anderem auch klassisches Saatgut und Anzuchtsets auf ihrer Homepage. Der Vertrieb läuft nicht nur über den Onlineshop, sondern auch über den Einzelhandel. Samenbomben und andere Produkte der Firma lassen sich in Buchhandlungen, Gartencentern und sogar in Apotheken finden. „Unsere Produkte sollen das Pflanzen so einfach wie möglich machen und die Leute begeistern. Als Geschenk sollen sie auch Menschen erreichen, die sonst vielleicht nicht so gerne gärtnern“, erklärt Torge.

Chillisamen von den Stadtgärtnern aus Nordhorn.
Gewächshaus bepflanzen mit Minze.
Samen einpflanzen

Rollen und trocknen

„Gerade das Rollen ist aber sehr anstrengend“, erzählt Torge Kahl. Nachdem das Gemisch aus Erde, Ton und Saatgut portioniert und zu kleinen Kugeln verarbeitet ist, muss die Masse noch getrocknet werden. „Die Trocknung ist der Knackpunkt: Sie darf nicht zu lange und nicht zu kurz sein. Sonst trocknet das Saatgut zu sehr aus oder treibt bei zu kurzer Trocknung frühzeitig aus“, erklären die Stadtgärtner. Seit kurzem werden die Samenbomben mit der Abwärme einer Biogasanlage getrocknet. Nach der Aussaat und ein wenig Warten sind die verschiedenen Saatmischungen nicht nur für das menschliche Auge schön anzuschauen, sondern auch ein Anziehungspunkt für Schmetterlinge, Bienen und Insekten.                 

DIY: Samenbomben selbst rollen

Ihr wollt Seedbombs selber machen? Kein Problem. Klickt mal hier.

Gewächshaus
Guerilla Gardening

Das Samenbombenwurf ist ein friedliches, wenn auch illegales Mittel der Guerilla Gardener, die sich zuerst in New York und London, später in anderen Metropolen im Kampf gegen Asphaltierung und Umweltzerstörung zusammenfanden. Ihr Ziel:  ihre Städte naturnaher gestalten. Brachliegende Flächen wurden begrünt oder für Gemüse- und Obstanbau genutzt. Mit ungewöhnlichen Aktionen sorgten die "kleinen Gartenkrieger" für Aufsehen. So versammelten sie sich am 1. Mai 2000 auf einer Londoner Verkehrsinsel und pflanzten Apfelbäume und Kräuter. Die heute teils öffentlich geförderten Urban-Gardening-Projekte gehen auf diese Anfänge zurück.

Samen einpflanzen
Gewächshaus
Credits

Text: Carl Hesebeck
Fotos: Die Stadtgärtner

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