Derboven_Familienbild
28. April 2018

Arbeiten auf dem Bauernhof: Drei Schwestern und 1000 Kühe

„Hey Mädels!“, Dorothee aus Warpe bei Nienburg klopft mit einer Handschaufel an die Metallstangen, und schon reckt eine Kuh nach der anderen den Kopf. Aus einem großen Frontlader schaufelt die junge Frau Futterpellets in die Tröge, ein süßer Kräutergeruch macht sich breit. Wir begleiteten die drei Derboven-Schwestern bei ihrer Arbeit auf dem Bauernhof.

Alles auf einen Blick

Warpe

Landkreis: Nienburg (Weser)
Einwohner: 753
Erstmals urkundlich 
erwähnt: 1.258

Den Trecker hinter dem Frontlader lenkt Dorothees Lebensgefährte Sönke. Für beide beginnt der Arbeitstag um fünf Uhr morgens. Dorothee macht der frühe Start nichts aus. „Es gibt doch nichts Schöneres als einen Sonnenaufgang“, lacht sie, streicht sich die langen blonden Haare aus dem Gesicht und blickt auf die Felder. Kühle Frühlingsluft strömt durch die großen Tore in den Stall.
Melkstand Derboven Bauernhof
Dorothee, die in Göttingen Agrarwissenschaften studiert hat, ist frühmorgens fürs Melken zuständig. Schon vor dem Frühstück hat sie all ihre 450 Kühe gesehen, die gerade „im Dienst“ sind und keine Kälberpause haben. Pro Tag kommen auf dem Hof ein bis zwei Kälber zur Welt. Mit den Nachkommen der Milchkühe leben auf der Bünkemühle fast 1.000 Rinder.

Etappenfrühstück

Gefrühstückt wird etappenweise zwischen sieben und zehn Uhr. Zum Mittagessen kommen Familie und Lehrlinge am großen Küchentisch zusammen. Dorothee und ihre Schwester Anna bleiben nach der Ofensuppe noch sitzen und blättern durch das neue Magazin des Zuchtverbands.
Drei Schwestern und der Bauernhof
Drei Schwestern (Anna-Lena, Cathrin und Dorothee vl.), eine Leidenschaft. Schon als Kinder waren alle drei begeisterte Jungzüchterinnen. Und die Liebe zu Kühen eint sie bis heute. Nachdem jede ihre Ausbildung abgeschlossen hat, halten sie nun zu dritt den Familienbetrieb fit für die Zukunft.
Derboven Bauernhof Mädchen
Dorothee hat die Zucht und das Herdenmanagement im Blick, Anna kennt sich mit der Biogasanlage gut aus. Noch am Morgen ist sie in Gummistiefeln und Arbeitshose durch das Kälberdorf gesprintet und hat die kleinsten Rinder mit Milch und Mais versorgt. Und dann ist da noch Cathrin. Sie hat Molkereifachfrau gelernt, in ganz Deutschland Erfahrungen gesammelt und ihren Meister gemacht.
Derboven Käse handgemacht

Jetzt wird gekäst

Heute wird gekäst und Cathrin steht mit weißer Mütze und Schürze vor einem eckigen Metallbehälter. Für den Schnittkäse wird die Milch in haselnussgroße Stückchen geschnitten. Hat die Masse die richtige Temperatur erreicht, formt Cathrin den Bruch wie einen Schneeball, um festzustellen, ob die Konsistenz stimmt. Nach dem Einlaben und Schneiden werden die leuchtend weißen Käselaibe in runde Formen gepresst. Sechsmal werden sie von Hand gewendet, bevor sie im Salzbad landen, das im Nebenraum steht.
Große Luftschläuche kühlen die salzige Luft im Lager. Nach einem Tag im Bad werden die Käselaibe mit einer mattgelben Masse bestrichen, dem Coating. Es lässt mehr Luft durch als Wachs, der Käse kann atmen, erklärt Cathrin den Vorgang.
Familie Derboven
Kuhvernarrt: (von links nach rechts) Sven (37), Rebecca (6), Lasse (3), Rieka (2) und Anna-Lena (34) Schierenbeck, Cathrin (32), Dorothee (28) und ihr Lebensgefährte Sönke (24) sowie Mutter und Hofbesitzerin Annette (56) und Vater Heinz-Konrad (60) , genannt „Conny“, Derboven.

Spezialitäten im Hofcafé

Im Hofcafé können die Besucher durch ein großes Schaufenster Cathrin beim Käsen zuschauen. Zum Probieren gibt es Käsetüten und viele weitere Spezialitäten aus dem Warper Umfeld : Spargel, Marmeladen, selbstgemachte Burger, Senf und regional gebrautes Bier. Unbedingt probieren: Cathrins Heukäse. Dafür wird ausschließlich die Milch der 20 Schaukühe verwendet, die nur mit getrocknetem Heu und Kraftfutter gefüttert werden. Das gibt dem Käse den ganz besonderen Geschmack.
Anna-Lena Derboven
Anna-Lena Derboven
Immer in Aktion – und kuhverliebt wie der Rest der Familie. Anna-Lena ist die älteste Tochter und als erste in den Betrieb der Eltern eingestiegen. Sie kümmert sich nicht nur um die Kühe, sondern auch um die Zahlen. Fragt man ihre Schwestern, dann ist Anna die „mit dem besten Überblick.“
Leben auf dem Bauernhof Derboven Milch
Kühe & Felder
Die Fläche, die der Familienbetrieb bewirtschaftet, rund 340 Hektar, entspricht knapp einem Sechstel der Fläche des Örtchens Warpe. Angebaut werden Mais, Gras, Hafer und Luzerne als Futter für die Rinder. Auf dem Hof leben fast 1.000 Rinder: 500 Milchkühe und ihre Nachzucht, also Jungrinder, Kälber und fünf Zuchtbullen. Das Leben der Milchkuh beginnt im Alter von zwei Jahren mit dem ersten Kalb. Zu fressen bekommen die Kühe eine Mischung aus Mais, Gras, Biertreber, Kraftfutter, Stroh und Heu. Bis zu 120 Liter Wasser am Tag löschen den Durst einer Kuh. Dafür liefert sie im Schnitt 36 Liter Milch am Tag. Mit Photovoltaik auf den Dächern und einer Biogasanlage – in der Futterreste, Gülle, Mist und Mais fermentiert werden – erzeugt der Betrieb Strom und Wärme.
Lecker Joghurt-Schnitten
Sucht ihr noch nach etwas Leckerem mit Milch? Wie wär´s mit unseren eisgekühlten Joghurt-Schnitten mit Erdbeeren und Pistazien? Ganz leicht selbst zu machen. Wir zeigen euch wie´s geht!
Credits

Text: Vienna Gerstenkorn
Fotos: Sabine Büttner

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