Seenotretter_Funk
21. Juni 2018

Mann über Bord - die Seenotretter aus Cuxhaven

Die Seenotretter schleppen kaputte Motorboote in den Hafen, holen kranken Passagiere von Kreuzfahrtschiffen und retten Menschen, die über Bord gegangen sind. Zu Besuch auf dem Seenotrettungskreuzer „Anneliese Kramer“, dessen Besatzung sich von Cuxhaven aus um die Elbemündung kümmert.

 

Alles auf einen Blick

Cuxhaven

Landkreis: Cuxhaven
Einwohner: 49.000
Erstmals urkundlich 
erwähnt: 1.342

An Bord des Schiffes sind neun Besatzungsmitglieder. Alle zwei Wochen ist Schichtwechsel. Dann übergibt die Besatzung das Schiff an die nächsten vier Kollegen: Zwei Nautiker und zwei Techniker. Holger Wolpers ist der 1. Vormann, so nennt man den Kapitän auf einem Seenotretter. Mit dabei sind Arne Fröse, Andreas Hahn und Andreas Denker.

Seenotretter Aneliese Kramer
Seenotretter Schiff Aneliese Kramer
Seenotretter Aneliese Kramer Volldampf
Für mich ist das ein Traumjob – Techniker Andreas Hahn –

Denker, ein großgewachsener Mann, führt die Besucher über eine feste Metallleiter in den Maschinenraum: Das Herzstück sind zwei Dieselmotoren, die es zusammen auf mächtige 3.916 Pferdestärken bringen. Auch eine Wärmebildkamera ist auf dem Schiff montiert, die bei der Suche von Menschen im Wasser zum Einsatz kommt.

Denker ist der Techniker auf dem Schiff und bei der Marine gewesen, danach war er einige Jahre bei einem Medizintechnikunternehmen. Dann reizte ihn die See, seit 2009 ist nun schon dabei. Techniker Andreas Hahn, den hier alle nur Hähnchen nennen, war nach seiner Zeit bei der Marine für 15 Jahre Monteur bei einer Werft, fuhr mit den Kollegen zu Einsätzen in der ganzen Welt. „Für mich ist das ein Traumjob.“, findet Hahn.

Seenotretter_draußen_Mann_Ohren
Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger
Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) wurde 1865 gegründet. Heute sind rund 180 Festangestellte und etwa 800 Freiwillige in der Seenotrettung der DGzRS engagiert. Der Verein finanziert sich über Spenden. Die „Anneliese Kramer“ ist erst seit Sommer 2017 im Einsatz. Von Cuxhaven aus sind die Seenotretter für die ganze Elbmündung zuständig. 80 bis 100 Einsätze hat die Besatzung pro Jahr, meist müssen Sportboote in Seenot gerettet werden. Aber auch Segler oder im Schlick festsitzende Spaziergänger haben die Männer schon gerettet. Manchmal müssen sie an Kreuzfahrtschiffen festmachen, um etwa kranke Passagiere schnell an Land zu bringen.
Seenotretter Fahne Aneliese Kramer Mathias
Arne Fröse, Jahrgang 1992, ist der jüngste im Team und seit drei Jahren bei der Gesellschaft, wie man die DGzRS unter den Kollegen nennt. Fröse lebt auf der Ostseeinsel Fehmarn, ist dort Fischer in der siebten Generation. „Ich wollte nie etwas anderes machen“, sagt er zum Job auf dem Wasser. Er hat seinen eigenen Fischkutter, „California“, acht Meter lang ist der, und was in die Reusen geht, Dorsche, Aale oder auch Plattfisch, das verkauft er direkt am Pier. Vor sechs Jahren fragte ihn ein Bekannter, ob er denn nicht mal mitfahren wolle bei den Seenotrettern in Puttgarden. Fröse war gleich angetan, das Helfen macht ihm Spaß, er ist auch in der freiwilligen Feuerwehr aktiv.
Arne Fröse Seenotretter
Seenotretter Kreuz Arne Fröse, Andreas Hahn, Andreas Denker
Als dann vor drei Jahren das Angebot kam, fest anzufangen auf der Station in Cuxhaven, da musste er nicht lange überlegen. Fröse kam erst einmal als fünfter Mann zusätzlich an Bord des Vorgängerschiffes. Es ist auch eine Probezeit, denn schließlich lebt und arbeitet man hier auf sehr engem Raum zusammen. 14 Tage lang, 24 Stunden am Tag, sind die Männer an Bord. Weiter als fünf Minuten darf man nicht weg, und wenn die Sirene angeht, dann bleibt auch schon mal der Einkaufswagen im nahen Supermarkt stehen. „Die kennen das schon“, sagt Holger Wolpers.
Seenotretter Funkspruch Aneliese Kramer

Die vier Männer sitzen in ihren roten Overalls in der Messe, auf dem Holztisch stehen dampfende Kaffeebecher. Die See ist oft rau, und so ist auch der Ton an Bord. Man scherzt mit- und übereinander. Wenn es ernst wird, wird schnell umgeschaltet. „Man muss sich auf die anderen verlassen können“, sagt Denker. Im Hintergrund dröhnen Stimmen aus dem Funkgerät, das hier niemals ausgestellt wird. Hier hat jeder einen leichten Schlaf.

Seenotretter Küche
Seenotretter Ohrschutz Anneliese Kramer

Ein paar Einsätze sind den Männern besonders im Gedächtnis geblieben. Wie sie ein Paar aus dem Schlick gerettet haben, zur Hälfte waren die eingesunken und die Flut stand kurz bevor. Es sind Geschichten von Unfällen und Leichtsinn. „Einen Menschen zu retten, das vergisst man natürlich nicht so schnell“, sagt Fröse. Selten, zum Glück, müssen sie auch Tote bergen.

An diesem nebligen Dienstag im November bricht die Besatzung nach dem Mittagessen zu einer Kontrollfahrt auf. Viel ist im Winter nicht los doch Kontrollfahrten sind ein Muss. „Du musst immer darauf gefasst sein, dass es gleich los geht“, sagt Fröse. Es geht raus aus dem Hafen, links am Cuxhavener Wahrzeichen Kugelbake vorbei.

 

 

Ich bin einfach gern auf dem Wasser. – Arne Fröse –

Wenn Arne Fröse nach den zwei Wochen Dienst wieder nach Fehmarn kommt, dann ist er auch schon bald wieder auf dem Wasser unterwegs. Denn an ein paar Tagen in seiner zweiwöchigen freien Zeit fischt er. Und er ist weiterhin ehrenamtlich auf dem Seenotretter „Emil Zimmermann“ im Einsatz, kümmert sich mit den Kollegen um den Fehmarnbelt zwischen Deutschland und Dänemark, eines der meistbefahrenen Seegebiete der Ostsee. So besonders findet Fröse den doppelten Einsatz gar nicht. „Ich bin einfach gerne auf dem Wasser“, sagt er.

Seenotretter Schüssel Anneliese Kramer
Seenotretter Raucherpause Seemann Anneliese Kramer
Credits

Text: Gerd Schild
Fotos: Philipp von Ditfurth

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