Fische_fischen_quer
19. Februar 2017

Fritz und seine Fische

Die Ahlhorner Fischteiche sind das Revier von Friedrich „Fritz“ von Heydebrand. Inmitten der Wildeshauser Geest werden hier Karpfen, Hecht und Forelle gezüchtet. 

Alles auf einen Blick

Ahlhorn

Landkreis: Oldenburg
Einwohner: 7732
Erstmals urkundlich 
erwähnt: 11. Jahrhundert

Teichwirtschaft Alhorn
Im Naturschutzgebiet rund um die Ahlhorner Fischteiche kümmern sich Fischwirt André Albers und Gianluca Schröder (rechts) um die Aufzucht von Besatz- und Speisefischen.
Friedrich von Heydebrand ist Betriebsleiter der Teichwirtschaft in Ahlhorn. Dort nennen ihn alle nur „Fritz“. Seine geröteten Wangen sind ein Hinweis darauf, dass er viel an der frischen Luft arbeitet. Das war schon immer so.
Mit zwölf hatte ich meinen ersten eigenen Teich. – Friedrich von Heydebrand –

Es geht um die Produktion und Veredelung der Fische

Schon damals ging es ihm nicht ums Angeln sondern um die Vermehrung der Fische, die er später geräuchert hat. Das war in Oerrel (Heidekreis), wo sein Vater Förster war. Mit der typisch sturen Gelassenheit des Heidjers hat sich von Heydebrand in Ahlhorn später seinen persönlichen Traum erfüllt. Alles, was in den letzten 20 Jahren dort entstanden ist, geschah nach seinen Plänen und mit Unterstützung des Forstamtes. „Das hat hier nämlich gar nichts mit Angeln zu tun“, stellt er kurz nach der Begrüßung klar. Es geht um Produktion und Veredelung der Fische.
Teichwirtschaft Ahlhorn Niedersächsische Landforsten
Hygiene und Sauberkeit:  Zwei wichtige Grundsätze bei der Fischverarbeitung. Azubi Tim Höche arbeitet deshalb sehr gewissenhaft, wenn er die Fische ausnimmt. Von der eigentlichen Schlachtung, über das Räuchern bis zum Verkauf vergehen nur wenige Stunden. Das kommt vor allem dem Geschmack zu gute. Die Regenbogenforellen zergehen auf der Zunge. 
Frische Fische, Alhorner Teichwirtschaft
Frische Fische: Der Auszubildende Gianluca Schröder und sein „dicker Fang“. Seit 110 Jahren existiert die Teichwirtschaft Ahlhorn – die einzige in Niedersachsen, die sich noch in öffentlicher Hand befindet. Hier werden jährlich einheimische Fischsorten wie Karpfen, Forellen, Zander oder Hecht gezüchtet. Für Kleinabnehmer, Hobbyteichwirte und Angelsportvereine.
Der Mittfünfziger läuft mit schnellem Schritt auf einem Schotterweg in Richtung Süden. Dort stehen sein Kollege André Albers und Azubi Gianluca, von allen Gianni genannt, knietief im Teichwasser. Der kalte Wind zerrt an den Birken, die den Uferrand säumen. Gianni und Albers zerren ein großes Zugnetz durch den Teich. „Abfischen“ nennt man das. Von Heydebrand schnappt sich einen Kescher und schaufelt eine Ladung Karpfen in eine Plastikwanne. „Die sind groß genug“, stellt Fischhändler Horst Gischewski zufrieden fest. Er will die Karpfen gleich lebend für seine Kunden mit nach Beverstedt nehmen. 
Teichwirtschaft Alhorn frische Fische

15 Tonnen Forellen und 30 Tonnen Karpfen

In Ahlhorn gibt es weder Artensterben noch Überfischung. Die Teichwirtschaft erzeugt jährlich 15 Tonnen Forellen und 30 Tonnen Karpfen. Es leben aber auch andere Speisefische wie Schlei, Hecht, Zander und Wels im Hälterhaus. Es braucht viel Zeit und Aufwand, um aus den millimeterkleinen Eiern bis zu 400 Gramm große Forellen oder kiloschwere Karpfen zu züchten. Vier Jahre dauert es, bis ein Karpfen rund zwei Kilo wiegt. Fischmeister André Albers gerät ins Schwärmen: „Teichwirtschaft ist, ökologisch betrachtet, doch das Beste, was passieren kann. Wir kümmern uns um die Artenvielfalt, regulieren den Wasserhaushalt, und die Fische merken gar nicht, dass sie gezüchtet werden. Die schwimmen schön im Wasser. Und bekommen regelmäßig ihr Futter.“
Die Wiege der Weihnachtskarpfen
Teichwirtschaft Alhorn: Das sind 40 Teiche mit einer Gesamtgröße von 120 Hektar, eingebettet in ein 485 Hektar umfassendes Naturschutzgebiet im Westen der Wildeshauser Geest. Die Teichwirtschaft gehört seit 1932 als Betriebsteil zum Forstamt Ahlhorn. Ein ökologisches Kleinod im Oldenburger Land, das einzigartig in Nordwestdeutschland ist.
Man muss aber Idealist sein und Bock haben. – Fischmeister André Albers –
Nach dem Aussetzen der Brut im Sommer folgt im Herbst das Ablassen der Teiche und anschließend das Abfischen. Ein immer wiederkehrender Kreislauf. Und auch zwischendurch gibt es allerhand zu tun. Da müssen die Schutznetze gegen Fischräuber wie Kormorane oder Reiher geflickt oder fünfzehn Kilometer Kanäle von Hand mit einer Sense gepflegt werden; die Teiche werden entschlammt und Dämme befestigt. Für Fischwirt- Lehrling Gianni ein Traumberuf. „Man muss aber Idealist sein und Bock haben.“ Selbst im Urlaub zieht es ihn ans Wasser: „Am liebsten fahre ich nach Norwegen zum Angeln.“
Frisch geräucherte Regenbogenforelle aus Alhorn
Stolz präsentiert Fischwirtschaftsmeister Friedrich von Heydebrand seine frisch geräucherten Regenbogenforellen. Noch warm wandern sie direkt in den Hofladen nebenan, wo die Kundschaft schon geduldig wartet. Vor allem Weihnachten und Silvester herrscht Hochbetrieb. Bis zu 15 Tonnen Speisekarpfen jährlich werden hier gezüchtet.
Adresse

TEICHWIRTSCHAFT AHLHORN
Niedersächsische Landesforsten
Baumweg 5, 49685 Emstek
Telefon 0 44 35 97 19 09-25
Fax 0 44 35 9 19 09-29
teichwirtschaft-ahlhorn.de

Credits

Text: Sabine Hildebrandt
Fotos: Patrick Ohligschläger

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