Steinmetz_arbeiten_Skulptur_Werkstatt_Oldenburg
25. April 2018

Fein gemeißelt - Steinkunst aus Oldenburg

Jan Wandscher könnte sich keinen besseren Beruf vorstellen: Der 37-Jährige arbeitet als Steinmetz in Oldenburg. Er hat sich auf die Gestaltung individueller Grabsteine spezialisiert. Um Orte der Trauer in Orte des Trosts zu verwandeln.

Alles auf einen Blick

Oldenburg

Landkreis: kreisfrei
Einwohner: 166.000
erstmals urkundlich erwähnt: 1108

Steinmetz Jan Wandscher aus Oldenburg
Jan Wandscher aus Oldenburg ist Steinmetz und hat sich auf das Fertigen von Grabsteinen spezialisiert. Seinen Beruf findet er aber ganz und gar nicht traurig.
Spruch vor der Werkstatt des Steinmetzes Jan Wandscher aus Oldenburg

Kunst für die Ewigkeit

Jan Wandscher blickt aus dem Fenster seiner Steinmetz- und Bildhauerwerkstatt. Direkt gegenüber liegt der Gertrudenfriedhof. Eine Insel der Ruhe, mitten im Oldenburger Stadtverkehr. Sie ist aber auch ein Zeugnis meisterlicher Handwerkskunst. Über Jahrhunderte haben Steinmetze hier wunderschöne, teils schon von Efeu überwucherte Grabsteine geschaffen. So wie sein eigener Urgroßvater. Jan hat von ihm Hammer und Meißel geerbt – und die Liebe zu einem Beruf, den der 37-jährige Handwerksmeister ganz und gar nicht „traurig“ findet. „Gott schütze die ehrbare Steinhauer-Kunst“, steht da in Stein gemeißelt neben dem Eingang zur Werkstatt. Gerade überträgt der Oldenburger mit einem Punktiergerät die Maße eines Gipsmodells auf einen Steinblock, aus dem später mal eine Skulptur entstehen soll. Geselle Markus Kuhn paust derweil mit Bleistift und Papier Inschriften auf einen Grabstein.

Arbeiten in der Werkstatt eines Steinmetzes

Alter Beruf, moderne Hilfsmittel

Vieles wird hier noch von Hand gemacht. Auch die Bearbeitung der Steine. Jan öffnet den Werkzeugschrank. Das „Geschirr“ hat sich seit Jahrhunderten kaum geändert. Da gibt es den Knüpfel, ein hammerähnliches Schlagwerkzeug aus Holz, den Schlegel, diverse Eisen, Zahnbeil, Zweispitz, Krönel, Zirkel und Winkel. Klar, ein paar Hilfsmittel und Handmaschinen sind inzwischen dazu gekommen. „Im Grunde arbeiten wir aber noch genauso wie zu Urgroßvaters Zeiten,“ sagt Jan stolz. Der Beruf der Steinmetze gehöre zu den ältesten der Welt. Der Handwerksmeister kennt sich bestens aus mit Historie und Brauchtum seiner Zunft. „Wenn ich weiß, wo meine Wurzeln liegen, stehe ich fester im Leben. Das gilt auch für den Beruf.“
Steinmetz Jan Wandscher aus Oldenburg mit einer Skulptur aus Stein
Wenn ich weiß, wo meine Wurzeln liegen, stehe ich fester im Leben. – Jan Wandscher –

Blickfang für Kunden

Er trägt die typische Zunftkleidung mit beigefarbener Cordweste und weitem Leinenhemd. Sehr praktisch - und ein „zünftiger“ Blickfang für die Kunden. Außerdem achte man auf die Ringe im Ohr! „Früher wurde den Walzgängern ein Ohrloch verpasst“, erzählt er, „wenn sich einer nicht an die Regeln hielt, wurden die Ringe rausgerissen.“ Ein Schlitzohr eben... Vertrauen ist wichtig in dieser Branche. Besonders, wenn es um den letzten Stein, den Schluss-Stein eines Lebens geht. „Wir leben in einer Gesellschaft, die den ewig jungen Menschen propagiert“, erklärt der 37-jährige Oldenburger, „nur Wenige machen sich schon zu Lebzeiten Gedanken über ihre eigene Grabstätte.“
Werkzeug von Steinmetz Jan Wandscher aus Oldenburg
Grabsteine vom Steinmetz aus Oldenburg

Letztes Geschenk aus Liebe

Grabmale sind eben mehr als nur Namensschilder. Für Jan sind sie „ein letztes Geschenk aus Liebe oder Dankbarkeit.“ Und: Ein Gegenüber für den Dialog. „Wir haben oft die Erfahrung gemacht, dass ein stehender Stein zum direkten Ansprechpartner wird. Sozusagen stellvertretend für diejenigen, die darunter liegen. Man muss die Augen nicht mehr auf den leeren Raum richten.“ Er selbst möchte Orte schaffen, an denen die Anwesenheit des Verstorbenen spürbar wird – Orte, die Trauer in Trost verwandeln. Wie der Grabstein mit den eingearbeiteten kleinen Findlingen, die der Verstorbene zu Lebzeiten von seinen Reisen mitgebracht hat.
Credits

Text und Bilder: Karin Peters

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