Zucchini_Ernte_Garten
7. März 2018

Entschleunigen im Gemüsebeet

Selbst gärtnern ist angesagt. Doch wie und wann baut man als blutiger Anfänger Gemüse an? Wir verraten euch, was ihr beim Säen, Pflegen und Ernten von Radieschen und Co. beachten solltet.

Gemüsebeet selber anlegen
Der eigene Gemüsegarten. Er kostet Zeit, vieles funktioniert nicht beim ersten Mal. Muskelkraft ist auch gefragt, und letztendlich hängt doch fast alles vom Wetter ab. Und trotzdem: Radieschen, die direkt aus der Erde kommen, schmecken gefühlt viel besser als die, die wir im Supermarkt oder selbst im Hofladen kaufen können. Heike Ressmeyer ist bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Bezirksstelle Northeim, Außenstelle Hildesheim, die Fachfrau für den Garten. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass Gärtnern wieder en vogue ist. "Garten entschleunigt, und das ist gefragt bei dem hohen Zeitdruck, dem wir ausgesetzt sind." Uns verrät sie, wie blutige Anfänger ihre erste eigene Ernte einfahren können.

Vorbereitung ist alles

Gemüsegarten selbst anlegen

Der Standort soll möglichst sonnig sein und windgeschützt. Ideal ist es, wenn er von einer Hecke oder auch einer Mauer umgeben ist. Zu eingekesselt aber bitte nicht: "Wenn drei Mauern den Platz umgeben, wird der Pilzdruck zu hoch und es ist zu heiß". Die Größe des geplanten Nutzgartens hängt von den Zielen ab: Bei einer Vollversorgung für einen Vier-Personen-Haushalt wären 300 Quadratmeter notwendig, und mindestens vier Stunden Arbeitszeit pro Woche. "Das ist unrealistisch", findet die Fachfrau. Sinn mache der Anbau für den Frischeverzehr. Während der Vegetationszeit bedeutet das etwa zwei Stunden Arbeit in der Woche. Ein Zaun kann Haus- und Wildtiere abhalten.

Wer im nächsten Jahr Gemüse direkt vor der Tür ernten möchte, fängt am besten schon in diesem Jahr mit den Vorbereitungen an. – Heike Ressmeyer –
Gemüse selbst pflanzen und ernten

Der Boden
Wo der Nutzgarten entstehen soll, ist vorher oft eine Rasenfläche. "Das Gras muss komplett weg", sagt Ressmeyer. Entweder muss die etwa zehn Zentimeter tiefe Grassode mit dem Spaten abgetragen werden oder die Fläche wird gefräst. Sinnvoll ist es, Mutterboden aufzufüllen oder Kompost mit einzuarbeiten, auch gut verrotteter Mist geht. Wenn der Boden im Sommer vorbereitet wird, kann zum Herbst ein Gründünger gesät werden - das sind Pflanzen, die auf dem Boden wachsen und nach dem Winter eingearbeitet werden. Dadurch nimmt der Boden Nährstoffe auf - grüner Dünger. Die Fachfrau empfiehlt Phacelia. Die sieht auch noch toll aus in der Blüte und ist idealer Bienenernährer. Im Frühjahr sollten die Gärtner eine Bodenprobe ziehen und untersuchen lassen. Dann wissen sie genau, ob noch Nährstoffe fehlen und nachgedüngt werden muss. Übrigens, mahnt Heike Ressmeyer: Gerade Kompost und Mist enthalten viele Nährstoffe, dann braucht oft nicht mehr mit künstlichem Dünger nachgeholfen werden.

Nun geht´s los:

Der Boden im Gemüsegarten wird im Frühjahr noch einmal gefräst oder mit dem Spaten umgegraben (oder erstmals, wenn bisher noch keine Fläche vorbereitet wurde). Dann braucht er etwas Zeit, um sich wieder zu setzen. Das Saatbett wird vorbereitet, wenn die Bodentemperatur 10 Grad Celsius beträgt. Meistens ist es um den 1. April so weit. Die Erde wird mit einer doppelreihigen Harke (gibt es im Fachhandel und im Netz) eingeebnet, dann geht der Gärtner nochmal mit einer normalen Harke rüber. "Der Boden soll feinkrümelig sein", sagt Heike Ressmeyer. Der Merksatz für alle Anfänger: Je feiner das Saatkorn, desto feiner das Saatbett.

Gemüsesorten für Anfänger

Gemüsesorten für den Garten.
Als ultimative Anfängersorten eignen sich neben Radieschen auch Salat, Erbsen, Steckzwiebeln, Bohnen und Zucchini.
Salat selbst anbauen
Salat gibt es als Schnitt- und Kopfsalat und kann ab Anfang April gesät werden.
Zucchini im eigenen Garten anbauen
Auf eine gute Ernte darf man hoffen, wenn man Zucchini erst nach dem 15. Mai einsät.

Gelingsicheres Gemüse

Als ultimative Anfängersorten empfiehlt Heike Ressmeyer:

  • Radieschen Die gibt es in unterschiedlichen Sorten - frühe Sorten können bereits Anfang April gesät werden. Sinnvoll ist es, die unterschiedlichen Sorten nacheinander zu säen. Dann können die Gärtner die knackigen roten Vitaminlieferanten über einen längeren Zeitraum ernten.
  • Salat Ihn gibt es als Schnitt- und Kopfsalat und kann ebenfalls ab Anfang April gesät werden. Schnittsalat kann geerntet werden, bis er schosst - also in die Höhe wächst - und schließlich blüht. Dafür immer nur oberhalb des Salatherzes abschneiden, etwa drei Zentimeter über der Erde. Kopfsalat kann auch als Jungpflanze gekauft und eingepflanzt werden. Immer genügend Platz einplanen, mindestens 15 bis 20 Zentimeter - wachsen die Salate zu dicht aneinander, leidet die Qualität und die Gefahr, dass die Pflanzen krank werden, erhöht sich. Notfalls kann gerade Salat gut umgepflanzt werden, wenn man merkt, dass es zu eng wird. Manchmal müssen einzelne Pflanzen auch ausgerissen und weggeschmissen werden.
  • Erbsen Die Saat kommt ebenfalls schon früh, ab Anfang April, in die Erde. Sie schmecken nicht nur gekocht, sondern auch roh als kleiner Snack aus dem Garten richtig lecker.
  • Steckzwiebeln Die kleinen Zwiebeln werden einfach in die Erde gesteckt und wachsen dann. "Das wird auf jeden Fall was", sagt Ressmeyer. Viele schwören darauf, dass, werden Zwiebeln und Möhren in einer Reihe gepflanzt, die Möhrenfliege nicht mehr auftritt. Nach Heike Ressmeyers Erfahrung hilft aber auch der Duft der Zwiebel nicht gegen den Schädling. Allerdings ist das Pflanzen in einer Reihe platzsparend: Die Möhre hat viel Grün über der Erde, die Zwiebel wenig. Sie rät Anfängern allerdings nicht zu den Karotten. "Die haben eine vierwöchige Auflaufzeit - viele denken dann schon, es ist nichts geworden. Aber Geduld gehört zum Gemüsegarten."
  • Bohnen Bohnen dürfen erst nach den Eisheiligen, also nach dem 15. Mai, gesät werden. Bis dahin gibt es oft noch recht kalte Perioden, die der Saat schaden können.
  • Zucchini Sollten auch erst nach den Eisheiligen gesät werden. Dann darf aber auf eine reichhaltige Ernte gehofft werden.
Das richtige Saatgut

Das Saatgut für den eigenen Garten lacht uns mittlerweile sogar im Discounter an. Das ist meist recht günstig, aber die Keimfähigkeit ist geringer: Nur 85 Prozent der Samen gehen auf. Das etwas teurere Qualitätssaatgut aus dem Fachhandel hat eine Keimfähigkeit von 95 Prozent. Die Sortenauswahl ist riesig, hier muss jeder Gärtner seine eigenen Erfahrungen machen, sagt Heike Ressmeyer. Eine große Auswahl gibt es im Internet.

Angießen muss man die Saat in der Regel nicht. Und nur, wenn es mal 14 Tage am Stück trocken bleibt, muss danach gewässert werden. Wer aber einmal viel gießt, muss das auch weiter tun – die Pflanzen gewöhnen sich daran. Wer allerdings zum Saatband greift – hier sind die Saatkörner in einem Band mit dem richtigen Abstand eingelassen – muss jeden Abend wässern.

Das Gemüsebeet richtig pflegen

Das Gemüsebeet muss frei von Unkraut sein. Statt chemischer Pflanzenschutzmittel rät Ressmeyer zur Muskelkraft: Zwischen den kleinen aufkeimenden Pflänzchen müssen die unerwünschten Gewächse entnommen werden. Am Anfang ist es gar nicht so einfach, die gute Mini-Radieschenpflanze vom ungewünschten Knöterich-Keimling zu unterscheiden. Doch keine Angst, das lernen Hobbygärtner schnell. Und Unkraut steht meist auch nicht gerade in der Reihe. Wichtig ist, früh loszulegen: Ist das Unkraut noch klein, kann es mit Dreizack oder Hacker erledigt werden. Die kommen sowieso zum Einsatz, um zwischen den Reihen den Boden zu bearbeiten. Das ist gerade dann wichtig, wenn es geregnet hat, damit nicht zu viel Wasser verdampft. Größere Unkrautpflanzen müssen herausgezupft werden.
Schnecken im Gemüsebeet verhindern
Vielen Gärtnern machen Schnecken das Leben schwer. Deshalb sollten sie Nützlingen das Leben leicht machen. Igel sind einige der wenigen Feinde von Nacktschnecken. Auch Laufenten mögen Schnecken. "Die fressen aber auch den Salat", warnt Ressmeyer. Natürliche Fallen wie in den Boden eingebuddelte mit Bier gefüllte Becher sind allerdings wenig sinnvoll. "Dann haben sie die Nachbarn auch gleich eingeladen." Zudem können Pflanzen zum Schutz vor Schädlingen mit Gemüsevliesen abgedeckt werden.

Ernte

Endlich genießen! Schon nach etwa sechs Wochen sind Radieschen und Pflücksalat reif. Den Sommer über können sich Hobbygärtner dann verschiedene Früchte ihrer Arbeit schmecken lassen.

Und dann?
Geht der Kreislauf wieder von vorne los. Wenn der Platz nicht für spätere Sorten gebraucht wird, kann beispielsweise das Blatt der Radieschen vor Ort entfernt und liegen gelassen werden - so wird Humus gebildet. Sollen an gleicher Stelle Bohnen gesät werden, muss die Pflanze allerdings komplett weg. Auch Salat kann stehen gelassen werden. Die blühende Pflanze bietet Nahrung für Bienen.
Im Herbst können dann alle Pflanzenreste liegen gelassen werden. Sie verrotten und liefern dem Boden wieder Nährstoffe und erhöhen den Humusanteil. Aber Vorsicht: Wer Probleme mit Erdratten hat, sollte den Garten leerräumen. Sonst fühlen sich die Tiere zu wohl. Dann kann eine Zwischenfrucht wie Phacelia als Gründünger gesät werden.

Radieschen aus dem eigenen Garten ernten
Stift und Zettel sind fast die wichtigsten Utensilien für Gemüsegärtner. – Heike Ressmeyer –
Stift und Zettel sind wichtig für angehende Gärtner, findet Heike Ressmeyer. Denn man sollte sich zum einen aufschreiben, was man wo gesät hat. Man sollte nämlich eine Fruchtfolge einhalten - gleiche Pflanzen sollten nicht nacheinander an den selben Orten angebaut werden. Zum anderen können gerade Anfänger ihre Erfahrungen am besten schriftlich festhalten. Denn wie es im eigenen Garten am besten läuft und welche Sorten aus der riesigen Auswahl am besten zu euch passen, das lehrt nur die Erfahrung.

Und bei wenig Platz?

Zugegeben, der Aufwand für einen richtigen Gemüsegarten ist schon recht hoch. Wer nicht so viel Zeit investieren möchte oder einfach keinen Platz hat, kann aber auch auf wenigen Quadratmetern eine gute Ernte einfahren. Für Kübel eignen sich besonders Paprika, Aubergine, Mangold und Kohlrabi. Sie sollten in 10-Liter-Töpfe gepflanzt werden. In 20-Liter-Töpfen gedeihen Tomate und Schlangengurke. Wichtig ist, dass die Pflanzen viel Sonne bekommen, vor Wind und zu viel Regen geschützt sind. Zudem muss Gemüse in Töpfen jede Woche gedüngt werden, dazu eignet sich am besten ein Flüssigdünger. Und selbst Balkonkästen reichen für selbst erzeugte Nahrungsmittel: Pflücksalat reicht der begrenzte Platz vollkommen aus. "Für Balkonkästen ist auch ein Saatband wirklich praktisch", findet Heike Ressmeyer. Der Salat muss dann täglich bewässert werden.
Kräuter auf dem Balkon anbauen

Auf der Fensterbank dagegen gedeihen laut Ressmeyers Erfahrung nur wenige Kräuter. "Meist stimmt das Kleinklima im Haus einfach nicht." Höchstens mit mediterranen Kräutern wie Oregano, Basilikum oder Rosmarin können Küchengärtner Glück haben.

Wem es nun so richtig in den Fingern juckt und es kaum erwarten kann, loszulegen, bekommt weitere Informationen zum Thema bei Heike Ressmeyer. Sie gibt immer wieder Tagesseminare zum Thema Spaß am eigenen Gemüse. Findet sich eine Gruppe, die gemeinsam mehr erfahren möchte, kann auch eine eigene Fortbildung gebucht werden. Und wer Fragen zu Saatzeitpunkt, den richtigen Abständen und Pflanzenfamilien hat, ist bei ihr ebenfalls an der richtigen Stelle.

Gemüse selbst anbauen

Selbst anpacken und einen eigenes Gemüsebeet anlegen: Kostet zwar Zeit, macht aber totalen Spaß. Und die Ausbeute lohnt sich. Gemüse, das direkt aus dem Boden kommt schmeckt doch gleich vieeeel besser!

 

Und wenn der grüne Daumen fehlt?
Ob nun Gemüse oder Zierpflanzen - wir geben zu: Schon ein schön gestalteter Balkonkasten macht normalerweise ganz schön viel Arbeit. Doch für alle, die trotz Unlust oder -fähigkeit von ihrem Balkonkasten Blumen sprechen lassen wollen, gibt es Balkonpflanzen zum Bestellen.

Das Paket ist gefüllt mit hochwertiger Pflanzenerde und Blumen nach Wunsch, kann einfach in den Balkonkasten gestellt werden. Und wenn alles verblüht ist, kann der Inhalt des Kastens inklusive Tasche in den Kompost. Zur Auswahl gibt es Blumen-Bags, Immergrün-Bags und Kräuter-Bags - für die frische Note im Essen.

Umkraut aus dem Garten entfernen
Credits

Text: Charlotte Wolframm

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