Salzstock_Unter_Tage
12. März 2018

Eine Kathedrale aus Salz

Ein Mensch verbraucht in seinem Leben 14 Tonnen Salz. Für den Nachschub sorgen Bergleute wie Jörg Bode. Unter Tage im Salzbergwerk Braunschweig-Lüneburg.

Alles auf einen Blick

Steinsalzwerk Braunschweig-Lüneburg

Landkreis: Helmstedt
Förderung: 1. Mio. t im Jahr 
Tiefe: 670m

Es ist still, und es ist stockfinster hier unten. Die Hand vor Augen bemerkt man erst, wenn sie die Nasenspitze berührt. Der Boden unter den Füßen ist aus Salz. Und über dem Helm, das denkt der Kopf darunter, liegen 500 Meter Gestein. 

Salzstock unter Tage Jörg Bode Salzbergwerk Braunschweig-Lüneburg Arbeiter
Jörg Bode schaltet das Licht wieder an. Er mag diese Dunkelheit, die jeden Besucher des Salzbergwerks im niedersächsischen Grasleben staunen lässt. Der offene Geländewagen, mit dem er durch das Bergwerk fährt, parkt in einer Kathedrale aus Salz: 100 Meter lang ist sie, 25 Meter breit und 43 Meter hoch.
Die Arbeit unter Tage hat mich vom ersten Moment an fasziniert. – Jörg Bode –

Jedes Jahr 650.000 Tonnen Salz

Als das Werk 1992 schließt, wechselt er zum Steinsalzbergwerk Braunschweig-Lüneburg. Bode bildete sich immer wieder fort und leitet seit 2012 die Grube von esco, einer Tochter des größten Salzproduzenten der Welt K+S. Jedes Jahr werden hier 650.000 Tonnen Salz abgebaut.

Mit zwölf Metern pro Sekunde fahren die Kumpel zum Schichtbeginn gemeinsam in die Grube ein. Es sind genau 490 Meter zwischen ihnen und dem Tageslicht. Die Männer tragen Zweiteiler aus festem Stoff, Arbeitsschuhe, Helm, eine orangefarbene Grubenlampe und den „Lebensretter“, eine metallisch glänzende Kiste, die aussieht wie eine große Brotdose zum Umhängen. Sie enthält aber etwas Überlebenswichtiges: Atemluft für eine Stunde. 

Salzstock unter Tage Jörg Bode Salzbergwerk Braunschweig-Lüneburg Arbeiter
Ein Bergwerk ist ein Ort der einsamen Arbeitsplätze. Jörg Bode fährt zu Jan-Niklas Osteroth. Der steht in einer aus dem Salz geschlagenen Halle und bedient einen gelb lackierten Sprengloch-Bohrwagen. Der Bohrer arbeitet sich sieben Meter nach vorn und schafft so ein Netz von Löchern im Abstand von 90 Zentimetern.
Man muss schon aufpassen, wenn man neben einem Wagen voller Sprengstoff steht. – Thomas Lehmann, Sprengmeister –

Ein paar Autominuten entfernt sehen wir den nächsten Schritt der Bergbauarbeit: Thomas Lehmann schiebt eine verdrahtete Sprengstoffstange in ein Bohrloch und füllt den Rest mit rosafarbenen Kügelchen auf, die ein wenig an zuckrige Liebesperlen erinnern. Die Wand sieht aus, als sei sie mit einem groben Fischernetz verhängt.

Der Draht wird am Ende der Schicht bis zum Fahrstuhlschacht gelegt. Erst wenn die Bergleute im Korb sind, zündet einer die Sprengladung. Gefährlich? „Naja“, sagt Lehmann, man müsse schon aufpassen, wenn man neben einem Wagen voller Sprengstoff steht. Handys sind hier unten verboten – denn sie könnten die Sprengung vorzeitig auslösen.

 

Ein paar Zahlen

Salzbergwerk

  • 100 Meter lang
  • 25 Meter breit
  • 43 Meter hoch
  • 10 Meter dick
  • 490 Meter unter der Erde
  • 650.000 Tonnen Salz jährlich

Straßennetz unter Tage

  • 100 Kilometer

Ein sehr großes Parkhaus

Etwa 100 Kilometer lang ist das Straßennetz unter Tage. „Das hier ist wie in einem sehr großen Parkhaus“, sagt Bode. Er steuert den Geländewagen eine steile Rampe hinauf und hält vor einem der vielen Stahltore, die die Abschnitte teilen und so die Luftzirkulation gewährleisten: Wetterführung, wie man unter Tage sagt. „Jetzt fahren wir nach Sachsen-Anhalt“, sagt Bode, und zeigt nach rechts. Dort, zwischen den Länderflaggen von Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, steht ein Grenzstein. Erst seit 1997 dürfen die Bergleute jenseits der Grenze Salz abbauen. 

Die Arbeit unter Tage ist in den vergangenen Jahren sicherer geworden“, sagt Jörg Bode. Seit mehr als vier Jahren sei hier kein Arbeitsunfall mehr passiert. Trotzdem bleibt die Arbeit unter Tage gefährlich. Vor einigen Jahren, Bode war zu dieser Zeit Aufsichtssteiger, stürzte ein Kumpel 100 Meter tief in eine Kippstelle. „Das hat uns alle schon ziemlich mitgenommen“, sagt er. 

 

Salzbergwerg Braunschweig-Lüneburg in Grasleben

„Glückauf!“, sagt Jörg Bode zum Ende des Besuchs. Unter Tage gibt es kein Moin, kein Mahlzeit, kein Tschüss. Glückauf lautet der Bergmannsgruß, der für jede Situation herhalten muss. Und damit ist immer auch gemeint: Komm heil wieder nach oben, Kumpel! 

Glückauf!
Credits

Text: Gerd Schild
Fotos: Philipp von Ditfurth // unsplash
 

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